Wirtschaft : Post erwartet in Asien das größte Wachstum

Tochter DHL will Marktführerschaft ausbauen

Bernd Hops

Bombay/Delhi - Zweistellige Wachstumsraten sind in den meisten Branchen in Deutschland ungewöhnlich, in vielen Ländern Asiens Normalität. Der Kontinent profitiert massiv von der fortschreitenden Globalisierung und den wachsenden Handelsströmen. Das bedeutet auch mehr Geschäft für DHL, die Express- und Logistiktochter der Deutschen Post. „Asien ist für uns der weltweit wachstumsstärkste Markt“, sagte Konzernchef Klaus Zumwinkel jüngst auf einer Pressekonferenz im indischen Bombay. Dabei sieht sich der Konzern als Marktführer in der Region. Durch die geplante Übernahme des britischen Logistikers Exel und weitere milliardenschwere Investitionen will der Konzern seine Stellung weiter ausbauen. Die Erweiterung der Anlagen am zentralen Umschlagflughafen für Asien, Hongkong, wird jetzt zum Beispiel um fünf Jahre vorgezogen.

Im vergangenen Jahr machte der Postkonzern in der Region Asien-Pazifik einen Umsatz von 3,4 Milliarden Euro. Im Vergleich mit den anderen Auslandsmärkten ist das zwar noch relativ wenig. In Nord- und Südamerika setzte der Konzern in der gleichen Zeit 6,4 Milliarden Euro um, in Europa – außerhalb Deutschlands – elf Milliarden. Doch holt Asien schnell auf. Allein im ersten Halbjahr 2005 legte der Umsatz um 19 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu.

Neben dem wichtigsten Markt der Region – China – nimmt nun auch Indien mit seinen rund 1,1 Milliarden Menschen eine immer wichtigere Stellung ein. In den vergangenen drei Jahren hat die Post hier 250 Millionen Dollar investiert und will auch in den kommenden Jahren weiteres Geld in die Erschließung des Landes stecken. Der Umsatz liege in Indien „im wirklich guten“ dreistelligen Millionenbereich, der Gewinn im zweistelligen, sagte Postchef Zumwinkel in Bombay. Das Geschäft wachse zudem zweistellig – und auch die Gewinnmargen seien hochattraktiv.

Die Post wickelt zum einen über eine eigene Tochter unter der Marke DHL das internationale Logistik- und Express-Geschäft ab. Zum anderen hält der Konzern seit 2004 die Mehrheit an Blue Dart, dem einzigen landesweit vertretenen Luftexpress-Unternehmen des Landes. Blue Dart hatte zuletzt einen Marktanteil von 39 Prozent bei Expresssendungen innerhalb Indiens – mehr als doppelt so viel wie das zweitgrößte Unternehmen. Und weiteres Potenzial hat Blue Dart genug. Schließlich expandiert die indische Wirtschaft jedes Jahr um rund acht Prozent. Und viele Experten gehen davon aus, dass dieser Trend anhält. 50 Prozent der indischen Bevölkerung sind jünger als 25 Jahre. Das garantiert Dynamik, für die durch tiefgreifende Reformen in den 90er Jahren die Grundlage geschaffen wurde. Allerdings hat Indien einen großen Nachholbedarf. Heute arbeitet trotz großen Wachstums in der IT-Branche oder der Industrie immer noch der Großteil der Bevölkerung in der Landwirtschaft – und gut ein Viertel der Menschen hat nicht genug zu essen.

Gehemmt wird das Wachstum durch die überlastete Infrastruktur. Während in China durch das kommunistische Regime Entscheidungen zum Bau neuer Flughäfen oder Straßen ohne große Rücksicht auf die Betroffenen schnell durchgedrückt werden, ist Indien die größte Demokratie der Welt und kommt mit Infrastrukturprojekten langsamer voran. Für Blue Dart etwa ist es kein großes Problem, zusätzliche Flugzeuge zu bekommen. Schwieriger ist es dagegen, Parkplätze für die Maschinen auf den Flugplätzen zu finden. Außerdem ist „schlanke Verwaltung“ noch ein Fremdwort in Indien. Dass sich die Lage aber langsam verbessert, hat die Post mit ihrer Tochter DHL Express in Delhi erfahren. In einem 2004 eröffneten Verteilzentrum, über das das internationale Expressgeschäft abgewickelt wird, hat das Unternehmen als Einziges in Indien die Erlaubnis, die Sicherheitsüberprüfung von Sendungen selber zu übernehmen. Andere müssen eine „Abkühlzeit“ von 24 Stunden einhalten – um sicherzugehen, dass ein Päckchen nicht explodiert.

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