Wirtschaft : Post investiert 300 Millionen in Leipzig

Konzerntochter DHL baut neues Luftfrachtzentrum in Sachsen – Französischer Konkurrent Vatry verliert Standortwettbewerb

Manfred Schulze

Leipzig - Die Post-Tochter DHL will ihr internationales Luftfracht-Drehkreuz in Leipzig ansiedeln. Damit setzte sich die sächsische Stadt gegen den französischen Konkurrenten Vatry durch. Mit der Entscheidung für den Standort am Flughafen Halle/Leipzig sind Investitionen von einigen hundert Millionen Euro und die Hoffnung auf mehr als 10000 Arbeitsplätze verbunden. Volkmar Stein, Vorstand der Mitteldeutschen Flughafen AG, zeigte sich am Dienstag wenig überrascht. „Wir spüren seit Monaten einen deutlichen Rückenwind, die Investoren haben bemerkt, das ist der Platz, den sie sonst nicht mehr finden.“ Stein spricht von mehreren Dutzend Anfragen und einigen unterschriebenen Verträgen für das neue Frachtzentrum Süd, das bereits auf 30 Hektar im Bau ist.

Seit fast anderthalb Jahren haben die Sachsen mit kräftiger Unterstützung der Landes- und Bundespolitik bei der DHL um das neue Europa-Drehkreuz geworben. Mit einer uneingeschränkten 24-Stunden-Betriebserlaubnis, reichlich Arbeitskräften, einem sechsspurigen Autobahnkreuz mit Anschluss nach Prag, Berlin und München sowie mit Bahnanschluss und günstigen Grundstücken haben sich die Sachsen empfohlen.

Was Leipzig/Halle noch fehlte, ist seit knapp einer Woche ebenfalls geregelt. Für die geforderte zweite parallele Start- und Landebahn, die für den Start der rund 80 Maschinen von DHL zwischen vier und sechs Uhr und zuvor für die Landung nötig ist, wurde die Planfeststellung erteilt. Die alte Piste war zu kurz und verschlissen. Die mit 3600 Metern Länge auch für voll beladene Übersee- Frachtflüge taugliche Piste soll einschließlich aller Nebeneinrichtungen für DHL 295 Millionen Euro kosten, die vor allem aus den Kassen des Freistaates, aber auch von der Landesregierung Sachsen-Anhalts und der EU aufgebracht werden. DHL selbst bringt noch einmal rund 300 Millionen mit, davon rund 70 bereits durch die EU bewilligte Fördermillionen.

Der Flughafen Leipzig/Halle wollte sich ursprünglich zu einem wichtigen Knoten für Linienfluggesellschaften entwickeln, dazu wurde mehr als eine Milliarde Euro investiert. Das Konzept ging nicht auf. Nun gibt es einen zweiten Anlauf als Frachtflughafen. Das Planfeststellungsverfahren für die neue Startbahn geht mittelfristig von rund 800 000 Tonnen Fracht aus, mehr als das Doppelte, was DHL derzeit jährlich in Brüssel umschlägt und gut die Hälfte des Aufkommens des Giganten Frankfurt (Main).

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