Wirtschaft : Post kauft Berliner Online-Werber

Konzern steigt ins Geschäft mit der Vermarktung von Internet-Anzeigen ein

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Berlin - Die Deutsche Post steigt in das Geschäft mit Online-Werbung ein und macht nun Google Konkurrenz. Dazu übernimmt der Bonner Konzern die Nugg.ad AG. Das Berliner Unternehmen ist ein technischer Dienstleister, der es Firmen ermöglicht, Werbung im Internet so zu platzieren, dass sie die Zielgruppe mit höherer Wahrscheinlichkeit erreicht. „Nugg.ad passt ideal in das Portfolio der Deutschen Post“, sagte Jürgen Gerdes, Konzernvorstand Brief der Deutschen Post. Finanzielle Details verrieten die beiden Unternehmen nicht.

Seit Jahren hat die Post mit sinkenden Sendungsmengen im klassischen Briefgeschäft zu kämpfen, weil immer mehr Kommunikation digital abläuft. Deshalb sucht sie im Netz nach neuen Geschäftsmöglichkeiten. Der sichere elektronische Brief ist ein Beispiel, die Zusammenarbeit mit Online-Versandhändlern ein weiteres. Der Online-Werbemarkt verspricht dabei hohe Wachstumsraten. Während der Werbemarkt krisenbedingt im vergangenen Jahr insgesamt schrumpfte, konnte der Online-Werbemarkt nach wie vor zulegen. Google ist der weltweit größte Vermarkter von Online-Werbung.

Mit Nugg.ad (spricht sich wie Nugget, was Goldklumpen bedeutet) übernimmt die Post Europas größte Targeting-Plattform. Mit Targeting bezeichnen Werbefachleute das auf bestimmte Zielgruppen abgestimmte Einblenden einer Werbung im Netz. Es soll die Streuverluste digitaler Werbung minimieren. Beispiel: Der Hersteller von Tampons möchte die Werbung für sein neues Produkt nur schalten und bezahlen, wenn eine Frau auf der entsprechenden Seite surft.

Nugg.ad untersucht dazu zum einen das Verhalten der Nutzer. Wenn ein Internetnutzer auf eine Seite des Netzwerkes surft, speichert das System diese Information, ebenso wie die Besuche auf weiteren Seiten des Netzwerks. Diese Nutzungsdaten werden dann zum anderen in Echtzeit mit Befragungsdaten zu Soziodemografie, Produktinteressen und Lifestyle angereichert. Hierzu werden statistische Profile genutzt. Nach den Nutzungsprofilen lässt sich mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit sagen, dass jemand männlich, Mitte 40 und Familienvater ist – und für welche Produkte er sich wahrscheinlich interessiert.

Datenschutzprobleme gebe es beim Targeting nicht, versichert Nugg.ad. Personenbezogene Daten wie Name, Alter und Adresse würden nicht gespeichert. Nugg.ad habe als erster Targeting-Anbieter das Datenschutzgütesiegel des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz Schleswig-Holstein erhalten.

Nugg.ad wurde 2006 in Berlin gegründet. Hier hat die Firma rund 40 Mitarbeiter, zehn weitere in London, Paris und Warschau. Sie versteht sich als unabhängiger Dienstleister, so soll es bleiben. „Die Möglichkeit, diese Vision nun unter dem Dach der Deutschen Post fortzuführen, ist eine Traumkombination“, sagte Firmenchef Stephan Noller dem Tagesspiegel. Die Sorge, im Konzern unterzugehen oder an Tempo zu verlieren, hat Noller nicht. Nugg.ad genieße maximale Bewegungsfreiheit und werde das Tempo eher nochmal erhöhen, zumal man die Strategie nun gemeinsam mit einem starken Partner mit einer hervorragenden Marke und internationaler Präsenz verfolgen könne. Corinna Visser

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