Post-Konkurrenz : Großverlage gründen nationalen Briefzusteller

Die Verlagskonzerne Axel Springer, Holtzbrinck und WAZ gründen eine gemeinsame Tochter zur bundesweiten Briefzustellung. Sie wollen sich als Nummer Zwei nach der Deutschen Post etablieren.

Berlin (09.09.2005, 13:28 Uhr) - Das neue Unternehmen, in das auch die Luxemburger Beteiligungs-Gesellschaft Rosalia einsteigt, soll Anfang nächsten Jahres starten, wie die Partner am Freitag mitteilten. Dafür wollen sie ihre bisherigen regionalen Aktivitäten ausbauen und sich für den vollständigen Fall des Briefmonopols der Post Ende 2007 in Stellung bringen. Das Kartellamt muss den Zusammenschluss noch genehmigen.

«Bis Ende 2006 wollen wir flächendeckend bundesweit zustellen», sagte Günter Thiel, der die Gemeinschaftsfirma aufbauen und führen soll. An den Chancen der Liberalisierung würden neben den Kunden nur Marktteilnehmer teilhaben, die schon über ein entsprechendes Know-how verfügten. Thiel ist ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Thiel Logistik AG und arbeitete zuletzt als Chef der TNT Logistics Central & Eastern Europe. Gesteuert werden soll das operative Geschäft von einer GmbH in Berlin, Sitz der Verwaltungsgesellschaft soll Luxemburg sein. Zum künftigen Firmennamen wurden vorerst keine Angaben gemacht.

Die neue nationale Postgesellschaft peilt nach den Worten Thiels fünf Jahre nach dem Start einen Umsatz von rund einer Milliarde Euro an. An dem Gemeinschaftsunternehmen, das voraussichtlich im Oktober gegründet werden soll, sind die vier Partner mit jeweils 25 Prozent beteiligt. Ihre schon in verschiedenen Regionen tätigen Zustellfirmen werden darin gebündelt. Demnach bringen Springer («Bild», «Welt») und Holtzbrinck («Die Zeit», «Tagesspiegel») ihre gemeinsame Tochter Pin AG ein, die in Berlin, Leipzig, Köln und Frankfurt/Main präsent ist. Zusammengeführt werden sollen zudem die Springer-Tochter PDV (Hamburg) und die zur WAZ-Gruppe («Westdeutsche Allgemeine Zeitung») gehörenden Anbieter WPS (Ruhrgebiet) und ThPS (Thüringen).

Die Deutsche Post bezeichnete es als normal, dass sich angesichts der anstehenden Liberalisierung Konkurrenten in Stellung bringen. Die Post sei auf Wettbewerb vorbereitet, sagte Sprecher Dirk Klasen.

Springer will mit dem Joint Venture am «höchst lukrativen Geschäft mit Postdienstleistungen partizipieren», wie ein Sprecher sagte. Um ein drittes Standbein neben dem Kerngeschäft Print und den Fernseh-Aktivitäten im Zuge der geplanten Übernahme der TV-Kette ProSiebenSat.1 handele es sich aber nicht. Ein Sprecher der WAZ-Mediengruppe sagte, mit der Kooperation bestehe die Möglichkeit, sich bundesweit aufzustellen.

Die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck sprach von einem großen Wachstumsmarkt, in dem es letztlich ein Duopol mit der Post und dem neuen Unternehmen geben werde. Die eigenen fünf regionalen Postdienstleister, die in etwa das Verbreitungsgebiet der regionalen Tageszeitungen des Verlages abdecken, würden nicht in die neue Gesellschaft eingebracht, sondern sollten «sehr eng» kooperieren.

Die Rosalia AG soll vor allem Managementleistung einbringen. Zudem werde sie sich als «verlagsneutrales Unternehmen» um Interessensausgleich kümmern, sagte Thiel. (tso/dpa)

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