Wirtschaft : Post setzt auf viele Partner

1000 neue Kleinstverkaufsstellen sind geplant. Das Filialnetz soll nicht weiter ausgedünnt werden

Moritz Döbler

Berlin - Bei der Deutschen Post verkaufen zunehmend konzernfremde Partner die Briefmarken. Mehr als 1000 kleine SB-Verkaufsstellen für Privatkunden sollen demnächst bundesweit starten, etwa in Kiosken, Supermärkten oder Schreibwarenläden. Das neue Format besteht nur aus einem DIN-A4-Ständer mit gängigen Portowerten. Sendungen werden nicht angenommen, Beratung gibt es nicht. In Berlin sind 150 solche Verkaufsstellen geplant, in Brandenburg 40, kündigte Post-Manager Lothar Rogg an.

Das Format ist eine abgespeckte Version des sogenannten Postpoints, der etwas mehr Platz einnimmt, mehr Produkte verkauft und auch Sendungen annimmt. Ein Beispiel für diese größere Variante sind die etwa 300 Filialen der Schreibwarenkette McPaper. Solche Partnerformate sind die Antwort der Post auf die zunehmende Konkurrenz. Besonders in Berlin ist der Druck stark, denn die Wettbewerber – Pin, Hermes und andere – kommen hier laut Post auf mehr als 1300 Filialen, während der einstige Staatsmonopolist selbst nur 214 Filialen zählt. Auch in Brandenburg führt die gesammelte Konkurrenz: mit 977 zu 559.

Etwa jede zweite Postfiliale wird nach Roggs Angaben inzwischen von einem Partner betrieben. Die Zahl der rund 13 500 Filialen insgesamt konnte so konstant bleiben und liegt über der gesetzlichen Vorgabe von 12 000 Filialen. „Auf absehbare Zeit sehen wir keinen Grund, unser Filialnetz auszudünnen“, sagte Rogg. Auch wenn die Post die Postbank verkaufe, bleibe das Angebot in deren Filialen „in welcher Konstellation auch immer“ bestehen. Die Kräfteverschiebung im Filialnetz habe dazu geführt, dass die Mitarbeiterzahl in den originären Post-Filialen seit 2000 jährlich um rund vier Prozent reduziert wurde: von 21 000 auf 16 000 Beschäftigte. Die weitere Entwicklung sei nicht vorhersehbar – ausgebildet werde im Filialnetz nicht mehr.

Die Partner der Post werden an den Einnahmen beteiligt. So kommen beim Postpoint 200 bis 300 Euro im Monat zusammen, davon sind 100 Euro fix und der Rest Provision. „Das ist ein nettes Zubrot“, sagte Rogg, Mitglied des Bereichsvorstands „Vertrieb Brief“ und zuständig für Privatkunden und Filialen. Bei den kleineren SB-Verkaufsstellen gibt es eine Umsatzprovision von 2,5 Prozent und kein Fixum – damit kommen die Kleinstpartner auf rund 100 Euro im Monat. In Berlin sind mit etwa zwei Dritteln noch überdurchschnittlich viele Filialen voll in Post-Hand, und in der Hauptstadt spürt die Post den Wettbewerb mit der Pin- Gruppe bundesweit am stärksten. Seit Anfang 2008 ist der deutsche Briefmarkt vollständig geöffnet. „Wir sind sicher, dass die Wettbewerber auch in der Lage sein werden, Briefdienstleistungen anzubieten“, sagte Rogg.

Allerdings haben gerade die ersten Tochterfirmen der angeschlagenen Pin- Gruppe ihren Betrieb eingestellt. In Aachen verlieren 114 und in Münster 468 Mitarbeiter ihren Job. Am Montag will Insolvenzverwalter Bruno Kübler über die Lage berichten. Die Gruppe beschäftigt an 91 Niederlassungen bundesweit rund 9000 Menschen. Ende des vergangenen Jahres geriet sie in eine finanzielle Schieflage, nachdem der Springer-Verlag als größter Anteilseigner den Geldhahn zudrehte. Als Grund wurde der Mindestlohn für Postboten genannt. Die Holtzbrinck-Gruppe, zu der diese Zeitung gehört, ist Pin-Minderheitsgesellschafter.

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