Wirtschaft : Post stoppt das Gezerre um ihre Bank Zumwinkel: Wir halten auf Dauer die Mehrheit

Henrik Mortsiefer,Rolf Obertreis

Berlin/Frankfurt (main) – Die Post hat am Donnerstag versucht, Spekulationen um einen Verkauf der Postbank an die Deutsche Bank zu beenden. Der Vorstand stellte in einer Mitteilung klar, dass es beim Börsengang am 21. Juni bleibe und die Post auf Dauer Mehrheitseigentümer der Postbank sein werde. „Mindestens 50 Prozent und eine Aktie des Kapitals und der Stimmrechte der Postbank bleiben dauerhaft im Besitz der Deutschen Post AG“, hieß es in der Erklärung.

Außerhalb des Börsengangs werde es keinen Verkauf der Postbank oder von Teilen des Instituts geben. „Ebenso wenig werden größere Pakete an Kreditinstitute oder andere strategische Investoren abgegeben.“ Die Deutsche Bank und Morgan Stanley führen weiter das aus 19 Banken gebildete Konsortium für den Börsengang. Zuvor war spekuliert worden, dass die Deutsche Bank ihr Mandat abgeben müsse, weil sie selbst – und auf Betreiben der Regierung – Interesse an der Postbank nicht ausgeschlossen hatte.

Ein Sprecher der Deutschen Bank nahm auch am Donnerstag dazu keine Stellung. Er dementierte aber einen Medienbericht, wonach Vorstandschef Josef Ackermann ein Kaufangebot für die Postbank ausgeschlossen habe. „Der Bericht ist nicht wahr“, sagte der Sprecher. Die Führung der Bank hatte dem Vernehmen nach am Dienstag über eine entsprechende Offerte beraten. Dabei soll es zu offenen Meinungsverschiedenheiten zwischen Ackermann und dem Aufsichtsratsvorsitzenden Rolf Breuer gekommen sein.

Aus dem Konsortialkreis hieß es, die Deutsche Bank habe „offensichtlich ein Problem zu beweisen, dass sie nicht gegen ihr Mandat verstoßen habe“. Dies schade dem Image des Marktführers. Mit der Erklärung der Post vom Donnerstag lässt allerdings zunächst der Druck auf das Geldinstitut nach. Jetzt sei für klare Verhältnisse gesorgt, war aus Kreisen der Deutschen Bank zu hören. In der Frankfurter Bankenszene wird aber nicht ausgeschlossen, dass sich die Deutsche Bank weiter um die Postbank bemüht.

Kanzler Gerhard Schröder hatte mit seiner Aufforderung, die Großbanken sollten bald Fortschritte bei Fusionsvorhaben erzielen, die Banken unter Zugzwang gesetzt. Möglich ist, dass der Bund als Mehrheitseigner der Post nun den Vorstand der Post zu einer Klarstellung bewegt hat.

Begrüßt wurde die Erklärung der Post von Aufsichtsratsmitglied Rolf Büttner, Vorstandsmitglied der Gewerkschaft Verdi. „Es war höchste Zeit, dass der Vorstand Klarheit schafft“, sagte er. Die Gerüchte um die Postbank hätten bei Beschäftigten „Ängste um die Zukunft ihrer Arbeitsplätze ausgelöst“. Analysten zufolge haben die Gerüchte um den Börsengang der Postbank eher genutzt. Damit sei im Kurs der künftigen Aktie schon jetzt Fantasie. Die Aktie der Deutschen Post AG legte am Donnerstag um 1,9 Prozent auf 17,12 Euro zu. Die Deutsche-Bank-Aktie gewann 0,87 Prozent auf 65,16 Euro.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben