Wirtschaft : Post und Postbank einigen sich

Bundesunternehmen investieren gemeinsam 1 Mrd.DM / "Bankmäßiger Auftritt" an den Schaltern

BONN (wei).Post AG und Postbank wollen ihre Vertriebskooperation ausbauen und künftig an einem Strang ziehen.Die beiden Vorstandsvorsitzenden, Klaus Zumwinkel und Dieter Boening, stellten am Montag in Bonn eine gemeinsame Werbekampagne vor.Mit dem ersten öffentlichen Auftritt der beiden Aktiengesellschaften, die aus der früheren Bundespost hervorgegangen sind, ist der Konflikt offenbar beigelegt, der die Beziehungen der Schwesterunternehmen in der jüngsten Vergangenheit belastet hat.In den vergangenen Wochen haben sich die Vorstände auf einen umfassenden Kooperationsvertrag verständigt, der die Zusammenarbeit auf 26 Einzelgebieten in gesonderten Anhängen regelt. Es bestehe Einvernehmen auch mit dem Bund, sagte Boening, daß die Postbank "kein beherrschtes Unternehmen" sei sondern "ein Dienstleister, der mit einem anderen Dienstleister zusammen gemeinsame Vertriebswege nutzt".Beide Unternehmen hätten erkannt, daß es im Postfilialnetz einer "neuen, deutlich auf die Finanzdienstleistungen ausgerichteten Vertriebsstrategie bedarf." Der Chef der Postbank machte deutlich, daß er die Zukunft der Postbank weniger als Direktbank sieht.Die 15 000 Vertriebsstellen der Post AG stellten das dichteste Vertriebsnetz einer Bank in Deutschland dar und seien länger geöffnet als andere Bankfilialen.Dieser Vertriebsweg soll künftig gemeinsam ausgebaut werden.Dafür werde die Post AG mehr als eine Mrd.DM investieren, sagte Zumwinkel, vor allem in die Ausrüstung der Schalter mit moderner Elektronik und für eine Automatisierung einfacher Angebote. Es werde künftig drei Kategorien von Postfilialen geben.In den Agenturen, die die Post zusammen mit dem Einzelhandel betreibt, werden nur einfachste Leistungen angeboten.In den kleineren Postämtern würden dafür auch Automaten bereitstehen.Beratungsintensive Finanzangebote wie Kredite, Versicherungen oder Bausparverträge sollen in den größeren Filialen an spezialisierten Schaltern angeboten werden.Die Planungen der Post zielten auf die Einrichtung neuer Filialen vor allem in den hochfrequentierten Citylagen.Das komme dem Post- und dem Bankgeschäft gleichermaßen zugute.Zumwinkel erhofft sich von der Zusammenarbeit mit der Bank nicht nur eine bessere Auslastung seines Filialnetzes sondern auch eine stärkere Kundenorientierung für das eigene Unternehmen. Ziel sei es, die Wartezeit an den Postschaltern in zwei Jahren für 90 Prozent der Kunden auf 5 Minuten zu begrenzen.Der Chef der Post AG kündigte eine Neustrukturierung seines Filialnetzes und eine Qualifizierungsoffensive an, um den "bankmäßigen Auftritt" der Post sicherzustellen.In Kürze würden erste Pilotfilialen eingerichtet, um die dafür notwendigen Erkenntnisse zu gewinnen.Ebenso wie der Vorstandsvorsitzende der Postbank betonte Zumwinkel, daß es bei dem Vertriebskonzept um gemeinsame Überlegungen beider Unternehmen handelt, die sich auch auf eine einheitliche Produktstrategie erstrecken.Man plane zusammen und wolle auch zusammen erfolgreich sein.Boening unterstrich, daß sich die Postbank intensiv darum bemühen werde, zusätzliches Geschäft an den Postschaltern abzuwickeln.Dafür soll die Angebotspalette nur soweit ausgebaut werden, daß die Vorzüge der Postbank nicht in Frage gestellt werden.Sie charakterisierte der Chef der Postbank mit "schnell, einfach und kostengünstig". Nach der Kooperationsvereinbarung mit der Bausparkasse Wüstenrot sucht die Postbank nach einem Partner aus dem Versicherungsgewerbe, um ihr Finanzangebot zu komplettieren.Zusammen werde man eine umfassende Palette standardisierter Produkte entwickeln, sagte Boening.Außerdem sei die Postbank daran interessiert, eine Beteiligung an der bundeseigenen DSL-Bank zu erwerben.Eine Zusammenarbeit der beiden Kreditinstitute biete interessante Perspektiven, sowohl dort, wo sich ihr Angebot ergänzt als auch in den Geschäftsbereichen, die sich überschneiden.

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