Post : Verkauf der Postbank – jetzt geht es los

Die Deutsche Post stellt die Postbank zum Verkauf und macht damit den ersten Schritt zur Neuordnung der deutschen Bankenbranche. Die Post verhandelt mit wenigen Bietern. Favorit ist die Deutsche Bank.

Stefan Kaiser
Postbank
Postbank-Zentrale in Bonn -Foto: ddp

BerlinDas ehemalige Staatsunternehmen teilte am Mittwochabend mit, man werde „im Sondierungsprozess um die Zukunft der Tochter Postbank in eine intensivere Phase“ eintreten. Die Post stehe bereits in Gesprächen mit Interessenten, „die zügig und entschlossen geführt werden".

In Finanzkreisen ist von wenigen ausgewählten Bietern die Rede, denen die Post nun Einblick in die Geschäftsbücher der Banktochter gewähren will. Darunter sollen die Deutsche Bank sowie ausländische Institute sein. Zuletzt waren unter anderen die spanische Bank Santander, die niederländische ING sowie die britische Lloyds als mögliche Interessenten im Gespräch. Als überraschend gilt, dass die Post in der ersten Runde offenbar nicht mit Allianz und Commerzbank sprechen will, die ein gemeinsames Angebot über zehn Milliarden Euro in Aussicht gestellt hatten. So sollte ein Dreierbündnis aus Postbank, Commerzbank und der zur Allianz gehörenden Dresdner Bank entstehen. Zu diesem Zweck hatten beide Konzerne bereits gegenseitig ihre Geschäftsbücher geöffnet und ein Zusammengehen sondiert.

Nun steht zumindest das Dreier-Bündnis mit der Postbank auf der Kippe – wenngleich spätere Verhandlungen in einer zweiten Runde nicht ausgeschlossen seien, wie es in Finanzkreisen heißt. Das Dreierbündnis gilt als technisch kompliziert und birgt auch den größten sozialen Sprengstoff: Die Gewerkschaften machen bereits seit Wochen gegen eine solche Lösung mobil. Am Mittwoch protestierten hunderte Bankmitarbeiter in Frankfurt am Main gegen drohende Jobverluste. „Die Zocker in den Vorstandsetagen haben Milliarden verbrannt und nun stehen tausende von Stellen infrage“, kritisierte Uwe Spitzbarth, Bankenexperte der Gewerkschaft Verdi, auf einer Kundgebung vor der Zentrale der Dresdner Bank. Verdi fürchtet, dass bei der anstehenden Neuordnung der Branche bis zu 20 000 Arbeitsplätze wegfallen könnten, weil viele Filialen überflüssig und Abteilungen zusammengelegt würden. Die Gewerkschaft präferiert deshalb den Verkauf an einen ausländischen Bieter.

Die Bundesregierung setzt dagegen auf einen deutschen Käufer für die Postbank, um den heimischen Finanzplatz zu stärken. Der Bund, dem indirekt noch immer rund 30 Prozent der Post gehören, hat ein wichtiges Mitspracherecht. Bei einem Verkauf in diesem Jahr könnte er sogar ein Veto einlegen, falls ihm der Käufer nicht passt. Offiziell betont die Regierung allerdings, sie werde sich nicht in den Verkaufsprozess einmischen.

Die Postbank ist vor allem wegen ihrer 14,5 Millionen Privatkunden begehrt - so viele hat sonst kein anderes Institut in Deutschland. Wegen der politischen Komponente gilt die Deutsche Bank derzeit als Favorit für den Kauf. Sie hat allerdings auch ein Auge auf den deutschen Teil der Citigroup geworfen, der gerade ebenfalls zum Verkauf steht. Selbst das Privatkundengeschäft der Dresdner Bank käme in Frage. Am Ende wird sie aber wohl nur eines dieser Projekte stemmen können. Stefan Kaiser

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