Wirtschaft : Post verkraftet die Portosenkung

Konzern erhöht Gewinnprognose / Es bleibt bei der Schließung von 800 Filialen / Nettoergebnis steigt sprunghaft

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Bonn (agr/HB/dpa). Die Deutsche Post hat die Portosenkung bei ihrem wichtigsten Ertragsbringer Brief gut verkraftet und ihre Gewinnprognose für das Gesamtjahr angehoben. Der Konzern rechnet nun mit einem um 100 Millionen Euro höheren Betriebsergebnis. Trotz des konjunkturell schwierigen Umfelds verzeichne der Konzern eine stabile Geschäftsentwicklung und erwarte daher 2003 ein Ergebnis der betrieblichen Tätigkeit (Ebita) von mindestens 2,9 (Vorjahr 2,4) Milliarden Euro statt der bislang prognostizierten 2,8 Milliarden Euro, sagte PostChef Klaus Zumwinkel am Mittwoch in Bonn.

Analysten sprachen von einer „positiven Nachricht“. „Die Zahlen werden die Stimmung für die Aktie verbessern, die Anleger sehen, dass die Post ihre Hausaufgaben angeht. Das wird für Fantasie bei der Aktie sorgen, insbesondere wenn man bedenkt, wie gut die Post die Portosenkung weggesteckt hat“, sagte Robert Czerwemsky von der Vereins- und Westbank. Die Analysten der Commerzbank zeigten sich indessen alarmiert von einer schwächeren Entwicklung des Briefgeschäfts im zweiten Quartal. Sie bekräftigten eine Verkaufsempfehlung für die Post-Aktie. Nils Machemehl von M.M. Warburg sagte dagegen, dass der Ausblick schwerer gewichtet werden sollte als die Ergebnisse des zweiten Quartals. Die „Aktie Gelb“ gab um 0,2 Prozent auf 12,79 Euro ab.

Die Anhebung der Gewinnprognose begründete Zumwinkel unter anderem damit, dass die Post mit ihrem Rationalisierungsprogramm „Star“ über Plan liege. Es erbrachte im zweiten Quartal einen Ergebnisbeitrag von 81 Millionen Euro nach 93 Millionen Euro in den ersten drei Monaten. Insgesamt hat sich die Post für 2003 mindestens 350 Millionen Euro vorgenommen. Gute Fortschritte vermeldete Zumwinkel bei seiner zweiten Herkulesaufgabe, der Zusammenführung von Logistik und Express unter der Marke DHL.

An den Expansionsplänen im Expressmarkt USA hält die Post trotz des Störfeuers der Rivalen UPS und Fedex fest. Diese hätten auf die Dauer keinen Erfolg, meinte Zumwinkel. Notfalls werde die Post auf die Dienste der Fluglinie Astar (ehemals DHL Airways) verzichten, um die es bei dem Streit mit den Konkurrenten geht, und anderweitig Transportkapazitäten einkaufen. In den Sparten Brief und Finanzdienstleistungen ist das Expansionstempo aber ins Stottern geraten. Da das Briefgeschäft im Inland leicht rückläufig ist und ab 2008 für den Wettbewerb geöffnet wird, sieht sich die Post im europäischen Ausland nach Einstiegschancen um.

Dabei ist sie zwar bereits deutlich weiter als ihre Konkurrenten Royal Mail aus Großbritannien, La Poste aus Frankreich oder die börsennotierte niederländische Post TPG. Doch ist Zumwinkel nicht bereit um jeden Preis auf Einkaufstour zu gehen. Er räumte ein, dass die Deutsche Post Interesse an der dänischen und österreichischen Post habe. Doch gilt vor allem die österreichische Post als maroder Staatsmonopolist. Zumwinkel schränkte daher ein, dass eine Beteiligung „harte finanzwirtschaftliche Kriterien“ erfüllen müsse. Daran ist bereits die Übernahme der Norisbank durch die Postbank gescheitert. „Wir haben für die Norisbank auf Basis einer gründlichen Bestandsaufnahme der Bücher einen uns realistisch erscheinenden Preis geboten und ein anderer hat ein höheres Angebot gemacht“, sagte Zumwinkel. Der Zuschlag ging an die Hypo-Vereinsbank.

Zumwinkel wiederholte seine Ankündigung, die Deutsche Post werde in den kommenden zwei Jahren rund 800 Filialen schließen. Das Unternehmen werde die Zahl seiner Anlaufstellen auf das gesetzlich vorgeschriebene Maß von 12000 senken. Das gehe nicht immer ohne Härten, räumte er ein. Das Unternehmen müsse aber wirtschaftlich handeln. Doch „wir kommen heute und zukünftig jeder gesetzlichen Verpflichtung zur Kundenversorgung, sei es bei den Filialen oder bei den Briefkästen, nach“, versicherte der Postchef.

In der ersten Jahreshälfte lag das Betriebsergebnis der Post mit 1,47 Milliarden Euro um 6,6 Prozent unter dem Vorjahreswert. Der Rückgang beruhe vor allem auf Sondereffekten und auf der Portosenkung. Ohne die Effekte hätte das Ergebnis um 350 Millionen Euro höher gelegen. Der Umsatz lag mit 19,2 Milliarden Euro knapp unter dem Vorjahr.

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