Wirtschaft : Post will 5,5 Milliarden Euro für Exel zahlen

Übernahme des britischen Logistikers wird heute in London erläutert / Der Konzern soll eine halbe Million Beschäftigte haben

Alex Granzow

Berlin – Die Deutsche Post legt an diesem Montag ihr Angebot für den britischen Logistiker Exel vor, das mit 5,5 Milliarden Euro oder rund 1240 Pence je Aktie etwas höher ausfallen soll als erwartet. Post- Chef Klaus Zumwinkel stellt die Pläne gemeinsam mit Exel-Chef John Allan in London vor. Der Aufsichtsrat des Bonner Konzerns stimmte der größten Firmenübernahme in der Geschichte der Post nach dreitägiger Sitzung am Wochenende zu, hieß es aus dem Umfeld des Gremiums.

Mit der Übernahme folgt die Post ihrer Strategie, die Abhängigkeit vom Briefgeschäft durch Ausbau der internationalen Logistik zu verringern. Das nationale Briefmonopol läuft 2007 aus, und die künftige Marktlage ist schlecht kalkulierbar. Im Logistikbereich hat sich die Ex-Staatspost in den vergangenen Jahren mit DHL, Danzas und der US-Firma Airborne bereits drei große Firmen einverleibt.

Exel-Chef Allan wird Logistikchef der Post. Ihm wird Frank Appel im Post-Vorstand Platz machen, der künftig Querschnittsfunktionen in dem Führungsgremium übernimmt. Die Logistiksparte der Post wird künftig vom Exel-Sitz aus in Bracknell bei London geführt.

Analysten und Branchenkenner begrüßen die Übernahme. Mit dem Kauf steigt die Deutsche Post mit einer halben Million Beschäftigten in die „Top Ten“ der Weltkonzerne auf. Exel weist bei einem Umsatz von neun Milliarden Euro einen operativen Gewinn von 240 Millionen Euro aus und beschäftigt 110000 Mitarbeiter. Die Post baut ihre Logistiksparte zu einer der tragenden Säulen nach Briefgeschäft, dem Expressdienst sowie der Postbank aus.

In der Logistik bestand noch Nachholbedarf, die Rendite lässt nach Auffassung von Analysten zu wünschen übrig. Die Post erzielt nach wie vor den Löwenanteil ihres Gewinns im Briefgeschäft. Die neu formierte Logistiksparte strebt bis 2008 einen Gewinn von einer Milliarde Euro an. Der Betrag soll aus den heutigen Gewinnen von je rund 300 Millionen Euro, Synergieeffekten von voraussichtlich mehr als 200 Millionen Euro im Jahr und aus mehr Wachstum kommen.

Zumwinkel verdoppelt mit einem Schlag den Umsatz der Logistiksparte und steigt in der See- und Luftfracht sowie in der Kontraktlogistik – der Organisation der Warenströme von Firmenkunden – zur Nummer eins in der Welt auf. Die Post lässt so Konkurrenten wie die US-Paketriesen UPS und Fedex genauso hinter sich wie den Spediteur Kühne & Nagel und die niederländische Post TNT.

Die Prüfung der Übernahme von Exel ist laut Bundeskartellamt voraussichtlich eine Sache für die EU-Kommission, die Zusammenschlüsse von Unternehmen mit weltweiten Umsätzen von mindestens fünf Milliarden Euro oder mindestens 250 Millionen Euro zu prüfen hat. Die Deutsche Post und auch Exel lagen im vergangenen Jahr mit Umsätzen von 43,2 Milliarden Euro und neun Milliarden Euro deutlich über diesen Grenzwerten.

Die Märkte für See- und Luftfracht sowie Kontraktlogistik sind noch sehr fragmentiert. In der Luftfracht, deren Marktvolumen auf über 22 Milliarden Euro geschätzt wird, war die Post im Jahr 2003 mit DHL Danzas Air & Ocean bei einem Marktanteil von 6,4 Prozent Marktführer. Exel folgte nach Nippon Express mit 4,7 Prozent auf Platz drei. In der Seefracht belegte DHL mit 5,5 Prozent Platz zwei hinter Kühne & Nagel mit 7,3 Prozent. Exel lag mit 2,9 Prozent auf Platz fünf hinter Schenker und Panalpina. In der Kontraktlogistik mit einem geschätzten Marktvolumen von 148 Milliarden Euro war Exel mit 2,7 Prozent die Nummer eins vor TNT mit 2,5 Prozent. DHL Solutions folgte auf Platz sechs mit 1,1 Prozent.

Beraten wird die Post von den Anwaltsgruppen Cleary Gottlieb Steen & Hamilton sowie Linklaters. Die Post zählt zu den langjährigen Mandanten von Linklaters, die den Konzern auch beim Kauf des Logistikgeschäfts von Karstadt-Quelle beraten hat. HB

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