Wirtschaft : Post will Paketdienst umbauen

Gewerkschaft Verdi erwartet Konzept und ist zu Verhandlungen bereit

Bernd Hops

Berlin - Die Deutsche Post plant offenbar die komplette Zusammenlegung von Paket- und Briefsparte in Deutschland. Das Einsammeln, Sortieren und Verteilen von Sendungen soll so effizienter werden. Das wurde am Freitag in Konzernkreisen bekannt. Die Details sollen den Arbeitnehmervertretern Ende kommender Woche vorgestellt werden.

„Einer Lösung für die Beschäftigten innerhalb des Konzerns werden wir uns nicht verschließen. Da sind wir zu Verhandlungen bereit“, sagte eine Sprecherin der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi dem Tagesspiegel. Ausgeschlossen sei aber eine komplette Ausgliederung. Ob ein Stellenabbau zu befürchten sei, könne derzeit nicht gesagt werden, meinte die Gewerkschaftssprecherin.

Der Paketdienst der Post in Deutschland ist heftiger Konkurrenz durch alternative Anbieter wie Hermes oder DPD ausgesetzt und hat in den vergangenen Jahren Marktanteile verloren. Die Post hat versucht, dem Trend durch niedrigere Preise und neue Serviceleistungen entgegenzuwirken – bisher mit eingeschränktem Erfolg.

Laut einem Bericht der Zeitung „Die Welt“ könnten Brief- und Paketsparte Sortierzentren, die derzeit meist getrennt arbeiten, zusammen nutzen. Außerdem solle die Verwaltung zusammengelegt werden. Beide Sparten waren in den 90er Jahren getrennt worden, weil man von einer anderen Entwicklung des Marktes ausgegangen war. Betroffen wären laut „Welt“ nun insgesamt etwa 180 000 Beschäftigte. Die Unternehmensberatung McKinsey habe mit einer monatelangen Untersuchung die Grundlage für die Pläne geliefert.

Die Post wollte die Pläne auf Anfrage nicht bestätigen. Ein Konzernsprecher verwies darauf, dass es heute schon Verbindungen zwischen Paket- und Briefdienst gebe. In ländlichen Gebieten etwa habe die Post eine Verbundzustellung. „Außerdem arbeiten wir ständig an Möglichkeiten, unser Geschäft zu verbessern“, sagte der Sprecher.

„Uns ist bekannt, dass die Post prüft, den Paketdienst zukunftsfest zu machen“, sagte die Verdi-Sprecherin. Die Gewerkschaft sei auch daran interessiert. „Seit Sommer 2005 dringen wir auf ein Konzept.“

Bei der Post gilt eine umfassende Beschäftigungssicherung. Konzernbeschäftigte können bis Ende März 2008 nicht betriebsbedingt gekündigt werden. 2007 ist das letzte Jahr für die Post, in dem sie auf dem innerdeutschen Briefmarkt noch ein weitgehendes Monopol besitzt. Die Liberalisierung ist von der Bundesregierung bereits beschlossen. Noch erwirtschaftet die Post den größten Teil ihres Gewinns mit dem Briefgeschäft, trotz milliardenschwerer Übernahmen von internationalen Logistikunternehmen.

Teile der Vereinbarung zur Jobsicherung wären eigentlich Ende dieses Jahres ausgelaufen, erklärte die Verdi-Sprecherin. Mit der Post sei aber eine Verlängerung ausgehandelt worden. So könne die Paketzustellung nur in 880 Bezirken an Fremdfirmen vergeben werden, in mehr als 5000 Bezirken sei das weiter nicht möglich – und zwar bis Ende 2009, also deutlich über den Wegfall des Briefmonopols hinaus. Als Zugeständnis der Gewerkschaft wurde die Zahl der freigegebenen Bezirke um 280 erhöht. „Mit dieser Vereinbarung sind wir sehr zufrieden“, sagte die Verdi-Sprecherin. Sie sei ein Signal dafür, dass die Zustellung eine Kernaufgabe des Unternehmens bleibe.

Die Börse reagierte am Freitag kaum auf die Nachrichten. Der Kurs der Post-Aktie schwankte um den Vortagsschluss.

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