Wirtschaft : Postbank: Das Geldinstitut legt für das Jahr 2000 ein Rekordergebnis vor

ro

Die Postbank hat im Jahr 2000 ihr mit Abstand bisher bestes Geschäftsergebnis erreicht und hat auch im ersten Quartal 2001 der flauen Entwicklung an den Börsen getrotzt. Im Gegensatz zu den Großbanken konnte sie ihr Ergebnis stabil halten. Für Vorstandschef Wulf von Schimmelmann ist dies allerdings kein Grund, sich zurückzulehnen. Sollte es interessante Angebote für Allianzen oder Kooperationen geben sei man dafür offen. "Wir haben aber auch kein Problem, in unserer derzeitigen Größe allein voranzukommen", sagte von Schimmelmann. Nach Ansicht des Postbank-Chefs nutzt sein Haus das Potenzial von rund zehn Millionen Privatkunden immer noch nicht genügend aus.

Trotzdem konnte die Postbank ihren Gewinn vor Steuern im vergangenen Jahr von 80 Millionen auf 234 Millionen Euro steigern. Nach einem Verlust nach Steuern von 21 Millionen Euro im Jahr 1999 gab es für 2000 einen Jahresüberschuss von 149 Millionen Euro. Damit habe sich die Eigenkapitalrendite deutlich verbessert, auch wenn man immer noch unter den Zielvorstellungen liege, sagte der Postbank-Chef. "Aber wir haben endgültig Abschied genommen von früheren Problemzonen." Ausgezahlt hat sich laut von Schimmelmann vor allem die schnelle und reibungslose Integration der 1999 übernommenen DSL Bank. "Das hat uns zu einem neuen Ergebnisniveau geführt. Wir sind heute wesentlich mehr als die Hälfte besser als ohne die DSL."

Auch im ersten Quartal hat sich diese Entwicklung fortgesetzt. Wie in den ersten vier Monaten 2000 erreichte die Postbank einen Gewinn vor Steuern von 77 Millionen Euro. "Damit haben wir in absoluten Beträgen den Durchschnittswert der Großbanken erstmals in diesem Quartal übertroffen", sagte von Schimmelmann.

Im Gegensatz zu den großen Geldhäusern will die Postbank ihr Vertriebsnetz auch nicht straffen. An mehr als 13 500 Stellen ist das Unternehmen derzeit am Markt und das an sechs Tagen in der Woche. Die Zahl der großen Center-Filialen soll von derzeit 600 bis 2002 auf mehr als 720 erhöht werden. Daneben bietet die Postbank ihre Dienste über die 4400 Postfilialen und über fast 8100 gemeinsam von der Post und Einzelhandelsgeschäften betriebenen Postagenturen an. Nach Angaben des Vorstandschefs verliert die Postbank auch dann keine Kunden, wenn eine Postfiliale in eine Postagentur umgewandelt wird.

Auch das Online-Banking bei der Postbank läuft laut von Schimmelmann rund. Im Jahr 2000 habe man 150 000 neue Konten eröffnet, mittlerweile seien es 810 000. Bei dem im vergangenen Herbst eröffneten Online-Broker Postbank Easytrade sind nach den Worten des Vorstandschefs bereits 280 000 Kunden registriert. Probleme allerdings hat die Postbank mit den klassischen Sparbüchern. Dort zogen die Kunden im vergangenen Jahr rund drei Milliarden Euro ab. Das Geld landete nicht immer in anderen Produkten der Postbank, wie etwa Investmentfonds. Verlorenes Terrain kann nach Ansicht von von Schimmelmann nur durch neue und innovative Produkte wettgemacht werden. Künftig will er Kunden auch dadurch halten und neu gewinnen, dass die Postbank nicht nur ihre eigenen Investmentfonds anbietet, sondern zumindest auch eine gute Auswahl von Fonds der anderen Gesellschaften. Immer noch zählt die Postbank aber 18,9 Millionen Sparbücher nach 19,1 Millionen vor einem Jahr.

Mit der Kostenstruktur in seinem Unternehmen ist der Vorstandschef noch nicht zufrieden, auch wenn der Personalaufwand wegen der sinkenden Zahl der Mitarbeiter von 717 Millionen auf 607 Millionen Euro zurückging. Ende 2000 waren mit gut 10 900 Mitarbeitern rund 1000 Menschen weniger bei der Postbank beschäftigt als ein Jahr zuvor. Im laufenden Jahr werden vier der derzeit noch 14 Postscheckämter geschlossen. "Das hat aber nichts mit unserem Vertrieb zu tun", sagte von Schimmelmann. "Wir bauen die neue Postbank zur führenden Retailbank in Deutschland aus."

0 Kommentare

Neuester Kommentar