Postbank : Klein räumt überraschend den Chefsessel

Der Aufsichtsrat der Deutschen Postbank AG trennt sich unerwartet von seinem Vorstandschef Wolfgang Klein.

Der Aufsichtsrat und Klein hätten entschieden, dass sein Mandat aufgrund unterschiedlicher Auffassungen über die künftige Geschäftspolitik des Instituts zum 30. Juni im gegenseitigen Einvernehmen ende, berichtet die Postbank. Neuer Chef des Instituts, das zu 25 Prozent der Deutschen Bank gehört, wird Vorstandsmitglied Stefan Jütte. Er werde das Amt am 1. Juli übernehmen, sein Vertrag laufe bis Juni 2012.

Klein wurde vor zwei Jahren Vorstandschef. Er geriet in die Kritik, als bekannt wurde, dass er trotz der hohen Verluste im Geschäftsjahr 2008 einen Bonus in Höhe von 2,4 Millionen Euro erhalten hatte. kurz darauf kündigte er an, symbolisch für einen Euro arbeiten zu wollen. In Finanzkreisen hieß es, Klein habe den Vorschlag ohne Wissen von Aufsichtsratschef Frank Appel gemacht, wodurch er diesen verärgert habe. Eine andere mit der Angelegenheit vertraute Person sagte, Klein höre auf wegen der erwarteten Komplettübernahme durch die Deutsche Bank. "Klein ist nicht der richtige Mann für die Überführung der Postbank in die Deutsche Bank. Jetzt ist ein guter Zeitpunkt für ihn zu gehen." Die Postbank wollte sich zu den Gründen von Kleins Abgang nicht äußern.

Der ehemalige McKinsey-Berater war neun Jahre für das in Bonn ansässige Institut tätig. Im Juli 2007 übernahm er von Wulf von Schimmelmann den Vorsitz im Vorstand und richtete die Postbank stärker auf das Privatkundengeschäft aus.

Das Handelsblatt vermutet, dass die Deutsche Bank hinter den Kulissen aktiv wurde. Heute findet die erste ordentliche Aufsichtsratssitzung statt, seitdem das Institut ein Vetorecht im Aufsichtsrat der Bank hat. Die Mehrheit gehört noch der Deutschen Post.

Der dreiundsechzigjährige Jütte ist seit 2000 Mitglied des Vorstands und verantwortet bisher das Ressort Kredit. Kleins Tätigkeit endet nach neun Jahren für die Postbankgruppe. In einer Mitteilung lobte der Aufsichtsrat, Klein habe die Postbank auch im Krisenjahr 2008 gut aufgestellt. Dennoch war die Großbank im vergangenen Jahr mit 821 Millionen Euro Minus in die roten Zahlen gestürzt. Im Vorjahr hatte die Bank noch einen Gewinn in etwa gleicher Größenordnung zu verzeichnen.

Aus dem Vorstand scheidet zudem der für das Ressort IT/Operations zuständige Dirk Berensmann aus. Sein Nachfolger wird zum 30. Mai Mario Daberkow, der zuletzt als Generalbevollmächtigter für das Transaction Banking der Postbank zuständig war.

ZEIT ONLINE

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