Wirtschaft : Postbank lässt Ackermann abblitzen

Übernahme der Hypo-Vereinsbank beflügelt Marktphantasien / Auch Commerzbank wieder im Gespräch

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Frankfurt am Main Die geplante Übernahme der Hypo-Vereinsbank durch die italienische Unicredit-Gruppe hat die Fusionsphantasien an den Aktienmärkten am Dienstag beflügelt, die Postbank erteilte aber neuerlichen Avancen der Deutschen Bank eine klare Absage.

Die Titel der Postbank (plus 0,6 Prozent) und der Commerzbank (plus 2,3 Prozent) legten bei einem leicht fallenden Dax zu; die Commerzbank war sogar zweitstärkster Wert im Aktienindex der 30 größten deutschen Unternehmen.

Den Anlass für die Spekulationen bot Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. Dem Handelsblatt hatte er gesagt, sein Institut stehe für Übernahmen bereit und habe weiterhin Interesse an der Postbank. Deren Mutterkonzern blockte jedoch ab: „Die Mehrheit bleibt bei uns“, stellte Post-Vorstandschef Klaus Zumwinkel fest. Ein Sprecher der Postbank ergänzte: „Das ist absolut kein Thema. Es gibt auch bei uns im Haus keine Pläne für einen Zusammenschluss mit einer anderen Großbank.“ Man sehe sich nicht als Übernahmekandidatin, sondern wolle eigenständig wachsen.

Ackermann begründete das Scheitern der Übernahme damit, dass der Plan zu früh an die Öffentlichkeit geraten sei. In den vergangenen Wochen ist die Deutsche Bank, die schon mit mehreren Übernahmeversuchen gescheitert ist, auch als möglicher Interessent am Deutschlandgeschäft der Hypo-Vereinsbank genannt worden. Dies ist aber nach der Übernahme durch Unicredit zumindest vorerst ausgeschlossen. Die größte deutsche Bank möchte aber ihr vernachlässigtes Privatkundengeschäft wieder stärken.

Auch die Commerzbank, die ebenfalls als Übernahmekandidatin gilt, war am Dienstag wieder Gegenstand von Spekulationen. Die „Financial Times Deutschland“ berichtete von Sondierungsgespräche mit der WestLB und berief sich auf „Führungszirkel“ der Frankfurter Bank. Derzeit dürfen private Institute allerdings weder Landesbanken noch Sparkassen übernehmen, und eine zügige Änderung des gesetzlichen Rahmens gilt – unabhängig vom Ausgang der geplanten Bundestagswahl im September – als unwahrscheinlich. Rechtlich gesehen könnte eine Landesbank zwar die Commerzbank übernehmen, doch hat diese stets ihre Unabhängigkeit betont. Commerzbank und WestLB kommentierten den Bericht nicht.

Mit Blick auf die drei Säulen des deutschen Bankensystems – private, öffentlich-rechtliche und genossenschaftliche Häuser – sagte Peter Wuffli, Chef der schweizerischen UBS, vor Journalisten in Frankfurt, die Hälfte des Marktes leiste sich immer noch den Luxus, nicht voll im Wettbewerb zu stehen. Deutschland sei der am stärksten fragmentierte Bankenmarkt in Europa. Wuffli bekundete Interesse auch an deutschen Sparkassen. „Da gibt es interessante Institute. Das eine oder andere würden wir uns sicher anschauen.“ Die UBS expandiert in Deutschland derzeit vor allem mit der Vermögensverwaltung. In den vergangenen 18 Monaten haben die Schweizer weltweit zwölf Übernahmen durchgezogen, auch die des deutschen Vermögensverwalters Jochen Sauerborn.

Zwar können sich die Sparkassen Kooperationen auch mit Privatbanken etwa beim Zahlungsverkehr oder in der Wertpapierabwicklung vorstellen, mehr aber meist nicht: „Der funktionierende Wettbewerb ist nur aufrechtzuerhalten, wenn der Sparkassensektor als Ganzes erhalten bleibt“, sagte ein hoher Sparkassen- Manager dem Tagesspiegel.

Am Sonntag hatte die Hypo-Vereinsbank, Deutschlands zweitgrößte Bank, erklärt, als Juniorpartnerin mit den Italienern zu fusionieren. Damit entsteht nach Börsenwert das neuntgrößte Geldhaus Europas mit mehr als 7000 Filialen und 733 Milliarden Euro Bilanzsumme.mod/ro

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