Wirtschaft : Postbank lockt mit falschen Zinsen

Institut vergisst Hinweis auf Mindestanlage – Andere Banken werben mit ähnlichen Angeboten

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Berlin (dr). Bei der Postbank gibt man sich kleinlaut. „Wir haben einen Fehler gemacht“, räumt Sprecher Joachim Strunk ein. Das sieht auch die Stiftung Warentest so, die der Bank vorwirft, mit „dreister Werbung“ Kunden für ihr PostbankDax-Sparbuch angelockt zu haben. So heißt es auf der Internetseite der Bank: „Ab sofort: Sparen mit dem Dax-Sparbuch wird noch attraktiver – neuer Basiszins von bis zu 1,8 Prozent pro Jahr.“ Was Sparer bis Anfang dieser Woche nicht wissen konnten: Ein entscheidendes Hinweis-Sternchen auf die Fußnote fehlte. Es wurde vergessen.

Interessierte hätten lesen können, dass nur Sparbuch-Guthaben von mehr als 50000 Euro tatsächlich 1,8 Prozent Zinsen abwerfen. Summen zwischen 5000 und 15000 Euro werden von der Postbank hingegen nur mit 1,2 Prozent verzinst. Und wer noch weniger hat, bekommt nur 0,5 Prozent. Kleiner Stern, großer Unterschied. „Wir haben das vor zwei Tagen korrigiert, und die meisten Kunden haben es uns auch nachgesehen“, sagt Strunk erleichtert.

Das komplizierte Dax-Sparbuch war vor rund eineinhalb Jahren eingeführt worden, rund 265000 Menschen haben inzwischen Geld in dieser Form angelegt. Das Sparbuch kombiniert einen Basiszinssatz mit einem Bonus, der sich nach der Kursentwicklung des Dax richtet. Steigt der Index, erhält der Kunde eine höhere Verzinsung. Bis zur vergangenen Woche gab es noch einen einheitlichen Basiszinssatz von 0,5 Prozent, dann wurde eine Staffelung eingeführt. Sparer, die weniger als 5000 Euro anlegen, erhalten nur einen Basiszinssatz von 0,5 Prozent sowie einen Bonus. Danach steigt der Zins in einzelnen Stufen. Nur Sparer, die mehr als 50 000 Euro anlegen, bekommen einen Basiszinssatz von 1,8 Prozent plus Bonus. Die Grenze von 50000 wurde nur im Kleingedruckten genannt. Zwei Sterne sollten dies im Werbetext kenntlich machen. Doch es blieb bei einem. Ein Stern bedeutet aber – im Kleingedruckten – 5000 Euro. Ein Stern fehlte, so dass ein Zinssatz von 1,8 Prozent bereits allen Guthaben ab 5000 Euro zugesichert wurde.

Das Sparbuch steht seit langem in der Kritik. Die geringe Basisverzinsung von 0,5 Prozent liege noch unter der Inflationsrate, die Boni würden so berechnet, dass für den Kunden nur wenig übrig bleibe. Andere Sparformen seien attraktiver, bemängelte die Konkurrenz. Die Verbraucherschützer rechneten jetzt nach und fanden den Fehler. Die Blamage der Postbank war perfekt.

„Doch wir haben keine Kündigungswelle festgestellt und wir haben auch noch keine Schadenersatzforderung bekommen“, versichert Strunk. Zudem sei der Fehler nur im Internet aufgetreten. Es sei keine Plakatwerbung betrieben worden, und sowohl in den Aushängen in den Filialen als auch in den schriftlichen Informationen seien die Konditionen richtig dargestellt. Dennoch, „wir können den Verbraucherschützern keinen Vorwurf machen, dass sie den Fehler im Internet angeprangert haben“, sagt Strunk. Lernen will die Postbank aus dem Fehler allerdings nicht. Es soll bei Kleingedrucktem und Sternen bleiben. „Wir müssen auch in Zukunft klar und prägnant sagen können, was machbar ist. Wir können doch nicht immer nur das schlechteste Angebot nennen“, sagt Strunk.

Gestaffelte Zinsen sind im Gewerbe üblich. Die Citybank hat ein Citibankcard Index Sparbuch. Wer weniger als 5000 Euro angelegt hat bekommt nur 0,25 Prozent Zinsen plus Bonus. Erst ab 10 000 Euro gibt es dann 1,25 Prozent Zinsen pro Jahr. Doch es geht eben auch ohne Sternchen. „Sternchen machen den Kunden nur misstrauisch und schrecken ihn ab“, sagt Ulrich Ott, Sprecher der Diba Allgemeine Deutsche Direktbank. „Deshalb sind solche Sternchen mit unserem Transparenzverständnis nicht vereinbar.“ Die Diba ist konsequent. „Bei unserem Tagesgeld etwa können wir eine Obergrenze einziehen, doch wir wollen keine Sternchen“, sagt Ott. Deshalb bekommen Diba-Kunden auch gute Zinsen: 2,5 Prozent für Tagesgeld.

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