Wirtschaft : Postbank mit "Vorwärtsprogramm"

BONN (sm/HB). Mit einer "fundamentalen Neuausrichtung" bei Produkten, Struktur und Vertrieb will die Postbank die Trendwende schaffen. Das Unternehmen wolle sich einem breiten Publikum als Hausbank präsentieren, sagte Postbank-Chef Wulf von Schimmelmann am Mittwoch in Bonn. Das Institut wolle im Jahr 2003 eine Eigenkapitalrendite von 15 Prozent erzielen und damit in das erste Drittel börsennotierter deutscher Banken aufsteigen. Bereits in diesem Jahr werde die Postbank ihr Betriebsergebnis um über 100 Mill. DM steigern, nachdem sie 1998 lediglich 16 Mill. DM erzielt hatte, kündigte Schimmelmann an. Bis zum Jahr 2003 wolle er das Betriebsergebnis des Unternehmens auf 500 Mill. DM "hochschrauben", so der Vorstandsvorsitzende. Auf der Basis dieser Entwicklung sollen Postbank-Aktien ein bis zwei Jahre nach den Anteilsscheinen der Deutschen Post an die Börse gebracht werden.

Die bisherige Ertragslage sei "völlig unbefriedigend", auch der Trend zu mehr Kontoschließungen als -eröffnungen müsse gestoppt werden. Erreichen will die Postbank dies über neue Produkte wie Baufinanzierungen und Wertpapierhandel, über Kostensenkungen, Werbekampagnen und eine engere Anlehnung an den neuen Eigner Deutsche Post AG. Die "Vorwärtsprogramm" getaufte Reorganisation wird nach Angaben Schimmelmanns nicht mehr Arbeitsplätze kosten als bislang vorgesehen. Bereits seit längerem sei geplant, die Belegschaft innerhalb der nächsten Jahre von 12 000 auf 8000 zurückzufahren. Darüber "werden wir nicht hinausgehen", versprach der Postbank-Chef. Im Hause herrsche angesichts der Neuorientierung eine "richtige Aufbruchstimmung", alle seien "hochmotiviert". Wachsen will die Postbank vor allem auf der Basis ihrer traditionellen Standbeine Giro- und Sparkonto. Besonders das kostenlose Girokonto solle intensiv beworben werden. Derzeit hat das Unternehmen rund zehn Millionen Kunden, darunter 600 000 Online-Nutzer und eine Million Nutzer von Telefonbanking.

Produkte und Präsenz in den rund 14 000 Postfilialen sollen verstärkt werden: So soll die Beraterkapazität auf 2500 Stellen aufgestockt werden. Am Schalter soll es künftig auch ausführliche Kreditberatung und Baufinanzierung geben, um die "enorme" Lücke im Kreditgeschäft zu schließen, sagte Schimmelmann. Im nächsten Frühjahr werde es überdies die Möglichkeit geben, über die Postbank Aktien und Fondsanteile zu erwerben. "Herzstück" des Vertriebs ist laut Schimmelmann das ausgedehnte Filialnetz der Post, langfristig werde aber das Internet wichtigster Vertriebskanal sein.

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