Wirtschaft : Postbank soll am 21. Juni an die Börse

Die Deutsche Bank könnte auch später einsteigen – von einer Volksaktie ist ohnehin keine Rede

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Berlin/Bonn (dr/fo). PostChef Klaus Zumwinkel hält eisern daran fest, die Postbank an die Börse zu bringen. Termin soll der 21. Juni sein. Berichte über den Verkauf an eine Großbank bezeichnete er als Spekulation. Der Ausgabepreis für die Aktien könnte nach ersten Schätzungen zwischen 30 und 35 Euro liegen. Es wäre die erste große Neuemission seit zwei Jahren.

Zuvor hatten Spekulationen, die Postbank könnte möglicherweise an die Deutsche Bank verkauft werden, für Irritationen gesorgt. In Bankenkreisen wird das weiterhin nicht ausgeschlossen. Zumal die Bundesregierung nach Aussagen von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) die Banken in Deutschland aufgefordert hatte, schnell zu fusionieren, um international wettbewerbsfähig zu sein. Mit dem Börsengang ist nach Ansicht des früheren Bundeswirtschaftsministers Otto Graf Lambsdorff (FDP) der Verkauf an einen Investoren ohnehin nicht ausgeschlossen. „Wenn die Hälfte der Postbank-Aktien platziert ist, kann immer noch darüber verhandelt werden, ob die andere Hälfte an eine Bank verkauft wird“, sagte er dem Tagesspiegel.

Zumwinkel betonte dagegen, nach der Platzierung von 49,9 Prozent der Aktien wolle die Post die restlichen Anteile auf Dauer behalten. Die Postbank ist mit 11,5 Millionen Kunden die größte deutsche Privatkundenbank. Gemessen an der Bilanzsumme kann sie sich mit den vier deutschen Großbanken allerdings bei weitem nicht messen. Den erwarteten Erlös aus dem Börsengang von 2,5 bis drei Milliarden Euro will Zumwinkel zum Abbau von Schulden und für Zukäufe im Briefbereich nutzen.

Hauptaktionär des Logistikkonzerns Post ist mit insgesamt 60 Prozent der Bund. Die Postbank dagegen ist eine 100-prozentige Tochter der Post AG. Erlöse aus Aktienplatzierungen oder einem Verkauf an andere Banken fließen daher der Post zu. Der Bund könnte allenfalls davon profitieren, wenn es eine Sonderausschüttung im Zuge des Verkaufs der Postbank gäbe. Lambsdorff forderte die Regierung auf, sich aus der Neuordnung der Bankenlandschaft herauszuhalten. „Der Kanzler macht keine Bankenfusionen“, sagte er dieser Zeitung. „Das sollte er den Banken schon selbst überlassen.“

Die Festlegung der Preisspanne, das so genannte Bookbuilding-Verfahren (siehe Lexikon, Seite 16) für den Ausgabekurs der Postbank-Aktie soll am 5. und 6. Juni erfolgen. Die Zeichnungsfrist werde voraussichtlich vom 7. bis 18. Juni dauern, sagte Postbankchef Wulf von Schimmelmann. Privataktionäre der Post AG, Postmitarbeiter und jene rund 330 000 Postbank-Kunden, die am Stichtag 5. Mai dort ein Aktiendepot führten, sollen bei der Zuteilung bevorzugt werden. Es soll aber keine Preisabschläge geben. Eine „Volksaktie“ solle die Postbank nicht werden, sagte Schimmelmann.

Kritik an Einmischung der Politik

Die Spekulationen über einen alternativen Verkauf der Bank an einen Investor haben nicht zuletzt bei den Arbeitnehmern Befürchtungen ausgelöst. Uwe Foullang, bei der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi für die Banken zuständig, sieht im Falle einer Übernahme der Postbank durch die Deutsche Bank vor allem Nachteile für die Beschäftigten. Der Gewerkschafter sprach auf Anfrage von einer „Massenvernichtung von Arbeitsplätzen“. Auch die Kunden hätten keinen Vorteil. „Das ist doch klar, es werden Filialen geschlossen.“ Auch Foullang sagte dem Tagesspiegel: „Es ist schon erstaunlich, wie sich der Ökonom Schröder in privatwirtschaftliche Entscheidungen einmischt.“

Vorteile einer solchen Fusion von Postbank und einer anderen Privatbank erwartet auch der Berliner Bankenprofessor Karl-Peter Swintowski nicht automatisch. Zwar gewänne die Deutsche Bank auf diese Weise zunächst fast zwölf Millionen neue Privatkunden. Ob sie daraus aber auch einen Nutzen ziehen könne, hänge wesentlich von ihrer Qualität als Privatkundenbank ab, gab Swintowski zu bedenken.

Uneingeschränkt positiv sieht hingegen sein wissenschaftlicher Kollege Wolfgang Gerke eine mögliche Übernahme. Die Deutsche Bank gewänne zwölf Millionen Kunden und damit einen attraktiven Absatzmarkt für ihre Produkte. Dies sei auf anderem Wege wohl nie möglich. Die Postbank habe dadurch den Vorteil, dass sie keine neuen Produkte selbst erfinden müsse, sagte Bankenprofessor Gerke. Bisher sei das Angebot des Instituts noch sehr beschränkt.

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