Wirtschaft : Postbank soll Schering im Dax ablösen

Berliner Pharmafirma wird im M-Dax notiert

Stefan Kaiser

Berlin - Die Postbank hat das Rennen um die Aufnahme in den wichtigsten deutschen Börsenindex Dax offenbar gewonnen. „Es sieht so aus, als habe es die Postbank geschafft“, erfuhr der Tagesspiegel am Freitag aus Börsenkreisen. Endgültig wird die Deutsche Börse erst am kommenden Dienstag entscheiden, wer für das Berliner Pharmaunternehmen Schering nachrückt. Wegen der Übernahme durch den Konkurrenten Bayer ist der Streubesitz der Aktie so weit gesunken, dass sie bei der nächsten Umbesetzung am 18. September aus dem Börsenindex fallen soll. Schering solle dafür im Mittelwerteindex M-Dax notiert werden, hieß es. Bayer-Chef Werner Wenning kündigte am Donnerstagabend weitere Übernahmen an, ohne Namen zu nennen.

Um in den Dax aufgenommen zu werden, muss ein Kandidat sowohl beim Börsenwert als auch beim Börsenumsatz unter den größten 35 Aktiengesellschaften in Deutschland sein. Stichtag für die Festlegung der Rangfolge war der 31. August. Die Postbank belegte beim Börsenwert Platz 28 und ist damit der mit Abstand größte Wert unter den Bewerbern. Bei den Umsätzen habe sie sich durch einen starken Handel in den vergangenen Tagen noch auf Platz 35 gerettet und den Stahlkonzern Salzgitter überholt, hieß es. Übernahmegerüchte hatten den Handel mit Postbank-Aktien angeheizt. Branchenkenner vermuten, dass sie gezielt gestreut worden sein könnten.

„Die entscheidenden Aktienumsätze haben sich in den vergangenen Handelstagen deutlich erhöht“, sagte Index-Experte Berndt Fernow von der Landesbank Baden-Württemberg. Wäre die Postbank-Aktie nicht unter die 35 meistgehandelten Werte gekommen, hätte sie aus dem Kandidatenkreis ausscheiden müssen. Für diesen Fall galt der Darmstädter Pharmakonzern Merck, der beim Übernahmepoker um Schering das Nachsehen hatte, als heißester Anwärter auf eine Dax-Aufnahme.

Der Arbeitskreis Aktienindizes trifft sich am Dienstag, um über die Zusammensetzung der Börsenindizes Dax, M-Dax, Tec-Dax und S-Dax zu entscheiden. Bei den Nebenwerten im M-Dax wird es nach Ansicht von Anke Platzek von der Landesbank Rheinland-Pfalz neben dem Wechsel zwischen Schering und Postbank weitere Veränderungen geben. „Als Abstiegskandidaten gelten Vivacon und Fielmann“, sagte Platzek. Dafür könnten Fuchs Petrolub, Patrizia Immobilien oder Deutz vom S-Dax in den M-Dax aufsteigen.

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