Wirtschaft : Postbank steigt bei BHW ein

Anteil von 9,2 Prozent könnte Übernahme an Bausparkasse einleiten/500000 Bankkunden gewonnen

Rolf Obertreis

Frankfurt am Main - Die Postbank hat großes Interesse an der Übernahme der zweitgrößten deutschen Bausparkasse BHW, beschränkt sich derzeit aber auf die Übernahme von knapp zehn Prozent der Aktien. 9,2 Prozent der BHW-Anteile hat die Postbank am Montag der Versicherungsgruppe Ergo abgekauft, gab Postbank-Chef Wulf von Schimmelmann auf der Bilanzpressekonferenz in Frankfurt bekannt. „BHW könnte eine interessante Ergänzung sein.“ Allerdings will die Postbank nur die Mehrheit übernehmen, wenn BHW zuvor die Beteiligung an der maroden Hypothekenbank-Tochter AHBR abstößt.

Die BHW ist für die Postbank – Deutschlands größte Filialbank – attraktiv, weil sie 3,2 Millionen Kunden zählt, die dem Profil der Postbank-Klientel ähneln. Zudem würde der Vertrieb mit zusätzlich 4200 Beratern und 830 Service-Centern gestärkt. Die Postbank könnte mit der BHW auch ihre Position im Geschäft mit privater Altersvorsorge, mit Versicherungen und Fonds deutlich ausbauen. In der richtigen Konstellation, sagt von Schimmelmann, könnten beide Unternehmen ihre Stärken viel besser ausspielen. Die BHW steht zum Verkauf, weil beide Großaktionäre, die Gewerkschaftsholding BGAG (38,9 Prozent) und der Deutsche Beamtenbund (36,6 Prozent), verkaufen möchten.

Was die Postbank für das Aktienpaket der BHW an Ergo bezahlt hat, blieb am Montag offen. Man habe aber mehr als nur einen „symbolischen Preis“ bezahlt, sagte von Schimmelmann. An der Börse wird die BHW derzeit mit rund 2,6 Milliarden Euro bewertet. Damit wären die erworbenen 9,2 Prozent rund 240 Millionen Euro schwer. Die Pakete der beiden Großaktionäre sind danach aktuell rund 1,96 Milliarden Euro wert. Die Aktie der Postbank, die im Juni 2004 an die Börse ging, schloss am Montag schwächer bei 34,00 Euro. Seit dem Börsengang hat der Kurs um knapp 20 Prozent zugelegt. Die BHW-Aktie kletterte um 2,62 Prozent auf 14,88 Euro.

BGAG-Sprecher Thomas Schulz bestätigte am Montag die schon im Januar geäußerte Absicht, die BHW verkaufen zu wollen. Allerdings hat die Gewerkschaftsholding noch keine Investmentbank mit der Aufgabe betraut, so dass konkrete Verhandlungen noch nicht möglich sind. Dem Vernehmen nach soll Goldman Sachs den Auftrag erhalten. Angeblich hat der Anfang März ausgeschiedene Chef der BGAG, Rolf Freyberg, Ende 2004 bereits mit der Postbank gesprochen. Kontakte des neuen BGAG-Chefs Norbert Massfeller gebe es aber noch nicht, sagt Schulz.

Die Postbank will, wie von Schimmelmann am Montag betonte, weiter aus eigener Kraft wachsen, sucht aber auch attraktive Zukaufsmöglichkeiten. Aber: „Wir werden uns nur engagieren, wenn sich eine Akquisition für uns genügend rechnet“, sagte der Postbank-Chef.

2004 hat die Postbank ein neues Rekordergebnis erzielt und netto rund 500000 neue Kunden gewonnen. Insgesamt zählt die Postbank jetzt 12,1 Millionen Privat- und Geschäftskunden und sieht sich damit als größte Privatkundenbank Deutschlands. Vor Steuern konnte sie den Gewinn um knapp 26 Prozent auf 624 Millionen Euro steigern. Nach Steuern ging es um fast 20 Prozent auf 421 Millionen Euro nach oben. Ihren Aktionären zahlt das Institut eine Dividende von 1,25 Euro. Allein die Post erhält damit knapp 103 Millionen Euro. Die Eigenkapitalrendite vor Steuern soll von zuletzt 13,7 Prozent bis 2006 auf 15 Prozent steigen.

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