Wirtschaft : Postbank weckt Begehrlichkeiten Großbanken würden größte Privatkundenbank gerne kaufen

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Die Postbank gilt als Hecht im Karpfenteich – alle Großbanken würden die Tochter der Deutschen Post gerne kaufen. Das deckt sich mit den Vorstellungen der Bundesregierung. Wer die Postbank mit ihren zwölf Millionen Kunden bekommt, spielt im Privatkundengeschäft eine maßgebliche Rolle. Doch die Postbank soll noch vor der Sommerpause an die Börse. Das jedenfalls plant der NochEigentümer Post.

Die Postbank mit ihren rund 800 Filialen ist nach eigener Aussage die größte Privatkundenbank in Deutschland. Gemessen an der Bilanzsumme von zuletzt 133 Milliarden Euro liegt sie allerdings nur auf einem hinteren Rang. Aber mit Privatkunden lässt sich Geld verdienen. Vor Steuern waren es im vergangenen Jahr fast 500 Millionen Euro, allein 381 Millionen Euro davon kamen aus dem Geschäft mit Girokonten, Sparbüchern und Wertpapierkonten. Der Jahresüberschuss erhöhte sich um 150 Prozent auf 353 Millionen Euro. Die Eigenkapitalrendite liegt bei 7,6 Prozent.

Dies weckt Begehrlichkeiten. Denn die anderen Großbanken, allen voran die Deutsche Bank, ließen die privaten Kunden lange Zeit links liegen und verdienten lieber mit Investmentbanking auf den weltweiten Kapitalmärkten. Doch damit ist es derzeit vorbei. Die Deutsche Bank – mit einer Bilanzsumme von 804 Milliarden Euro die Nummer eins in Deutschland – erzielte im vergangenen Jahr nur noch eine Eigenkapitalrendite von 4,7 Prozent. Die Hypo-Vereinsbank (Nummer zwei, Bilanzsumme rund 479 Milliarden Euro) musste sich 2003 mit einem Betriebsergebnis von 900 Millionen Euro bescheiden, das in diesem Jahr auf etwa 1,7 Milliarden Euro steigen soll. Die Dresdner Bank (477 Milliarden Euro Bilanzsumme), die inzwischen Teil des Allianz-Konzerns ist, konnte erst am Mittwoch – nach Jahren mit roten Zahlen – wieder einen Gewinn melden. Die Commerzbank wird nicht zuletzt wegen ihrer geringen Größe (382 Milliarden Euro Bilanzsumme) eher als Übernahmekandidat gehandelt.

Deutsche Bank und Dresdner Bank, die nun als die Interessenten für die Postbank genannt werden, suchten zunächst die Kooperation. Im Herbst vergangenen Jahres unterzeichneten sie Vorverträge über die Abwicklung des Zahlungsverkehrs durch die Postbank. Die Postbank hatte zuvor ihre Buchungssoftware für Girokonten in Betrieb genommen. Am Finanzplatz in Zürich wurde das als Versuch der Deutschen Bank gewertet, sich beim anstehenden Börsengang der Postbank vor der Sommerpause in eine günstige Position zu bringen.

Derweil baut die Postbank vor allem das Direktbankgeschäft aus. Im November vergangenen Jahres kaufte sie die Online-Bank und Finanzberatung Entrium-City. dr

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