Wirtschaft : Postbank will 4000 Stellen streichen

Konzernumbau innerhalb von drei Jahren / Berlin soll zum Service-Center aufgewertet werden BONN (dpa).Die noch bundeseigene Postbank will nach Gewerkschaftsangaben mindestens ein Drittel ihrer gut 12 000 Arbeitsplätze streichen.Die Unternehmenszentrale in Bonn bestätigte am Freitag Pläne für eine weitreichende Umstrukturierung.Dabei werde es auch einen Stellenabbau geben, dessen Umfang aber noch nicht feststehe, sagte ein Firmensprecher.Dagegen hieß es in einer Mitgliederinformation der Deutschen Postgewerkschaft (DPG), das Konzept sehe den Wegfall von "4000 Beschäftigungsmöglichkeiten" vor.Falls die Bank auch Teilzeitstellen streiche, könne die Zahl noch höher liegen, erläuterte ein Sprecher des DPG-Hauptvorstandes in Frankfurt (Main). Die Deutsche Postbank AG informierte die Mitarbeiter am Freitag in einem Brief über den vorgesehenen Umbau.Die Pläne waren am Vortag vom Aufsichtsrat zustimmend zur Kenntnis genommen worden und sollen in rund drei Jahren umgesetzt sein.In dem Schreiben heißt es, daß alle 14 Postbank-Standorte erhalten bleiben und es keine Entlassungen geben wird."Personalanpassungen erfolgen sozialverträglich über Fluktuation und im Rahmen der gesetzlichen und tarifvertraglichen Regelungen", so der Vorstand.Nach den bekanntgewordenen Plänen sollen die Niederlassungen Hamburg, Berlin, Dortmund, Frankfurt (Main) und München zu Servicecentern aufgewertet werden.Dafür verlieren die Standorte Karlsruhe, Ludwigshafen, Leipzig, Essen, Köln, Hannover, Nürnberg und Stuttgart große Teile ihrer Aufgaben.Ihnen bleiben Vertriebsaufgaben im Privatkundengeschäft.Die Niederlassung Saarbrücken ist weiter für das Auslandsgeschäft verantwortlich.Mit der Neuorganisation will die Postbank ihre Wettbewerbsfähigkeit verbessern.Das Unternehmen wolle sich in den nächsten Jahren als "Bank für das Wesentliche" einen Namen machen.Von dieser "Vision" könne sie ihre rund zehn Millionen Kunden aber nur überzeugen, wenn sie die Attribute "schnell, einfach, kostengünstig" im Unternehmen verankere, heißt es im Brief an die Mitarbeiter. Unternehmensleitung und DPG hatten erst im Dezember einen Rationalisierungsschutzvertrag abgeschlossen.Danach sind betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2000 ausgeschlossen.Gleichzeitig eröffnete die Vereinbarung mehr Möglichkeiten, Angestellte und Beamte zu versetzen.Um sich als echte "Hausbank" profilieren zu können, hatte das Unternehmen im Herbst mit der Deutschen Post AG vereinbart, über eine Mrd.DM in das gemeinsame Filialnetz zu stecken.Die Vertretungen sollen mehr das Aussehen moderner Bankfilialen als das klassischer Postämter annehmen.Bereits 1996 hatte die Bank ihr Personal um 1446 auf 14 778 Mitarbeiter verringert.Bei einer Bilanzsumme von knapp 107 Mrd.DM wies sie einen Verlust von 1,2 Mrd.DM aus.Für 1997 liegen noch keine Ergebnisse vor.Das Unternehmen will in diesem Jahr an die Börse gehen.Ein Termin steht noch nicht fest.

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