Postdienste : Hälfte der Pin-Beschäftigten verliert Job

Über 5700 Beschäftigte des Postdienstleister Pin stehen auf der Straße - das ist rund die Hälfte aller Mitarbeiter. Für 1700 gibt es dagegen neue Hoffnung: An mehreren Orten fand der Insolvenzverwalter neue Geldgeber, die Jobs bleiben erhalten.

Pin AG
Schieflage: Wie viel ist von der Pin AG zu retten? -Foto: ddp

KölnGut die Hälfte der ursprünglich 11.400 Mitarbeiter des angeschlagenen Postdienstleisters PIN Group hat inzwischen ihren Job verloren. Zu Ende März erhielten 2995 Beschäftigte von Tochtergesellschaften die Kündigung, bei denen die Zahlung des Insolvenzgeldes auslief. Das teilte Insolvenzverwalter Andreas Ringstmeier am Donnerstag mit. Bereits einen Monat zuvor waren 2770 Mitarbeiter arbeitslos geworden. Allerdings seien bislang dank neuer Investoren auch mehr als 1710 Arbeitsplätze gerettet worden.

So seien in den vergangenen Wochen für Tochtergesellschaften in Sondershausen, Magdeburg, Erfurt und Saarbrücken Geldgeber gefunden worden, die die Geschäfte uneingeschränkt weiterführten und alle Beschäftigten übernommen hätten. In Erfurt-Alach, Hamburg und Trier werde zumindest ein Teil der Mitarbeiter weiterbeschäftigt. Insgesamt seien bisher zehn Gesellschaften von Investoren übernommen worden, ein Betrieb wird vorläufig vom Insolvenzverwalter geleitet.

Insolvenzen an vielen Orten

PIN hatte in den vergangenen Monaten für 40 ihrer 120 Niederlassungen sowie für die Luxemburger Holding Insolvenzanträge gestellt. Mit Eröffnung der Insolvenzverfahren haben insgesamt 25 Töchter ihren Betrieb eingestellt, 13 davon zum 1. April. "Wir haben um jeden Arbeitsplatz und um jeden Investor im Interesse der Gläubiger gekämpft", sagte Ringstmeier. "Einige Interessenten sind trotz aussichtsreicher Verhandlungen in letzter Minute abgesprungen."

Die unklare Lage auf dem Markt für Briefzustellungen habe potenzielle Investoren abgeschreckt. "Die derzeitigen Rahmenbedingungen  insbesondere die Diskussionen um den Mindestlohn  haben bei zahlreichen Interessenten den Eindruck geweckt, dass mehr Wettbewerb in der Branche politisch nicht gewünscht sei", sagte Ringstmeier. Für vier Töchter, bei denen die Zahlung des Insolvenzgeldes erst Ende April endet, liefen Gespräche mit Geldgebern.

"Große Lösung"?

Für die verbliebenen 80 gesunden Gesellschaften der PIN-Gruppe strebt der dafür zuständige Insolvenzverwalter Bruno M. Kübler eine "große Lösung" an. Nach wie vor gebe es Verhandlungen mit drei ernsthaften Kandidaten, die am Kauf der gesamten Gruppe interessiert seien, sagte ein Sprecher. "Wir hoffen, dass wir noch in diesem Monat ein Ergebnis präsentieren können."

PIN gehört neben TNT zu den größten Konkurrenten der Deutschen Post AG. Das Unternehmen war im Dezember vergangenen Jahres in die Schieflage geraten, nachdem der Medienkonzern Axel Springer als größter Anteilseigner den Geldhahn zugedreht hatte. (mhz/dpa)

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