Postkonkurrenz : Berliner Pin Mail kommt mit E-Brief

Der Berliner Briefdienstleister Pin Mail AG steigt in das Geschäft mit elektronischer Post ein. „In sechs Wochen starten wir das neue E-Brief-Angebot“, kündigte Pin-Mail-Chef Axel Stirl im Gespräch mit dem Tagesspiegel an.

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Die Berliner Pin Mail beschäftigt rund 1000 Mitarbeiter. Die Zusteller verdienen 8,50 Uhr die Stunde. .
Die Berliner Pin Mail beschäftigt rund 1000 Mitarbeiter. Die Zusteller verdienen 8,50 Uhr die Stunde. .Foto: ddp

Geschäftskunden können Briefe dann elektronisch einliefern. An einem von bundesweit vier Standorten übernimmt Pin Mail gemeinsam mit einem Partner das Ausdrucken, Eintüten und Adressieren und stellt die Briefe physisch zu. „Der Preis wird unter dem von der Deutschen Post liegen“, sagte Stirl. Die Post verlangt für ihren E-Postbrief von Privatkunden das übliche Porto von 56 Cent. Eine elektronische Auslieferung will Pin Mail zunächst nicht anbieten. „Dafür sehe ich noch keinen Markt“, sagte Stirl. Weiter kündigte Stirl an, sich „nach neuen Geschäftsfeldern im Bereich Kommunikation umzusehen“. Details wollte er nicht verraten.

Im vergangenen Jahr setzte die Pin Mail AG mit rund 1000 Mitarbeitern 47 Millionen Euro um. Im Jahr davor waren es noch 49,2 Millionen Euro gewesen. Stirl erklärte den Umsatzrückgang mit dem preisaggressiven Verhalten des ehemaligen Monopolisten Deutsche Post. „Ich habe einige Kunden verloren, bei denen die Post weit höhere Rabatte angeboten hat als die von der Bundesnetzagentur genehmigten Nachlässe“, sagte Stirl und spricht von „unlauterem Wettbewerb“. Dennoch sei es dem Unternehmen 2010 gelungen, seine Sendungsmengen um zehn Prozent zu steigern und auch die Kundenbasis zu vergrößern. Zudem hat Pin Mail im Oktober erneut den Auftrag erhalten, für weitere vier Jahre die Briefe des Landes Berlin auszuliefern. Pin Mail gehört zu je 50 Prozent der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck und der TNT Post Deutschland.

Stirl spricht von einem ruinösen Wettbewerb in der Branche, den kaum jemand bestehen könne. Dem seien zuletzt Dienstleister in Oldenburg und München zum Opfer gefallen, die Insolvenz anmelden mussten. Er schätzt den Marktanteil der Postkonkurrenten auf „nicht höher als sieben bis acht Prozent ein“ und damit deutlich niedriger als die Bundesnetzagentur. „Die Bundesnetzagentur hat bisher eine Vielzahl von Briefen mehrfach erfasst“, kritisierte Stirl.

Seit das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig vor einem Jahr den Post-Mindestlohn von 9,80 Euro für rechtswidrig erklärt hat, zahlt Pin Mail seinen Zustellern nur noch einen Stundenlohn von 8,23 Euro. Mit der Leistungszulage kommen die Zusteller auf 8,50 Euro. Verdi möchte mit Pin Mail einen Haustarifvertrag vereinbaren. Darüber hat es zwar Gespräche gegeben, aber noch keine Verhandlungen. „Mir fehlt das Vertrauen in Verdi“, sagte Stirl. Verdi habe sich sowohl für den Post-Mindestlohn stark gemacht als auch für die Beibehaltung der Mehrwertsteuerbefreiung der Post. „Von Verdi hat sich aber vorher niemand bei uns erkundigt, was das für die Zukunft unseres Unternehmens und unserer Mitarbeiter bedeutet“, kritisierte Stirl.

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