Wirtschaft : Postsparkasse: Eine weitere österreichische Großbank unter deutscher Regie

Paul Kreiner

Nach der Übernahme der Bank Austria durch die HypoVereinsbank wird bald eine zweite österreichische Großbank unter beträchtlichen deutschen Einfluss geraten: die Postsparkasse (PSK). Der sozusagen "geborene" Partner will zwar nicht mehr. Nachdem sie zuerst ein unverbindliches Kaufangebot von 1,23 Milliarden Euro unterbreitet haben soll, ist die deutsche Postbank in der zweiten Runde aus dem Rennen um die österreichische Postsparkasse ausgeschieden.

Doch der Generaldirektor der für die Privatisierung verantwortlichen Staatsholding, Rudolf Streicher, sagte, die nun abgeschlossene Endrunde habe "zwei weitere hochwertige Angebote" erbracht. Sie lägen "höher als der Planwert" von 872 Millionen Euro: "Was will man mehr?", so Streicher. Noch im August soll entschieden werden. Demnach bewerben sich zwei österreichische Geldinstitute um die 117 Jahre alte PSK; hinter diesen aber stecken die bayerische Landesbank-Girozentrale, sowie die beiden größten deutschen Versicherungskonzerne, Allianz und Ergo.

Die Bank für Arbeit und Wirtschaft (Bawag), die zu gut 53 Prozent dem Österreichischen Gewerkschaftsbund und zu knapp 47 Prozent der Bayerischen Landesbank Girozentrale gehört und sich über ihre Versicherungssparte mit der Allianz verbunden hat, interessiert sich seit langem für die PSK. Ihr Angebot hat die Bawag formell zwar ohne den Allianz-Konzern unterbreitet; dieser unterstütze die Übernahme jedoch, heißt es. Der Betriebsrat der PSK, der sich um die Zukunft der 2052 Beschäftigten sorgt, favorisiert natürlich die Gewerkschaftsbank.

Die traditionsreiche Postsparkasse hat eine eindeutig marktbeherrschende Stellung (34 Prozent) beim Zahlungsverkehr. Über sie laufen fast alle Geldtransfers zwischen Bürgern und Staat, nicht zuletzt auch das Rundfunk- und Telefon-Inkasso. Die Bilanzsumme wird für 1999 mit 21,5 Milliarden Euro angegeben, der (bereinigte) Jahresüberschuss mit 60 Millionen Euro, das Eigenkapital mit 742 Millionen Euro. Sehr attraktiv für die potentiellen Käufer dürfte auch der 34prozentige Anteil an den Österreichischen Lotterien sein.

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