Wirtschaft : Potsdam vereinfacht Gründer-Förderung

POTSDAM (Tsp). Als erstes ostdeutsches Bundesland bietet Brandenburg künftig Bundes- und Landeskredite für Existenzgründer aus einer Hand an. "Für Jungunternehmer wird es von November an weniger Papierkram und schnellere Entscheidungen geben", kündigte Wirtschaftsminister Burkhard Dreher (SPD) am Montag in Potsdam vor der Presse an. Durch die jetzt besiegelte Zusammenführung des Mittelstandskreditprogramms der Landesinvestitionsbank und dem Existenzgründungsprogramm der Deutschen Ausgleichsbank (DtA) könne künftig mit nur einem einzigen Antragsformular ein Kredit beantragt werden. Aus den beiden Töpfen seien 1998 Darlehen mit einem Volumen von 57 Mill. DM an brandenburgische Unternehmen vergeben worden."Das ist der Durchbruch bei der Straffung der Förderung und ein Modell für eine schlanke Mittelstandsförderung", sagte Dreher, der sich Mitte Oktober von seinem Ministerposten in Potsdam verabschiedet und in die Industrie wechselt. Bislang ist noch nicht entschieden, wer ihm im Amt nachfolgt, sagte Pressesprecherin Schuster auf Anfrage. Dreher rechnet damit, dass die Zahl der selbstständigen Betriebe von derzeit rund 90 000 durch das neue Instrument, das nicht nur den Zugang zu Krediten erleichtere, sondern auch bessere Konditionen schaffe, in weniger als fünf Jahren auf 110 000 gesteigert werden könnte.Ohne die Zusammenführung der Förderungen würde dies deutlich länger dauern. Dreher betonte: "Das Wichtigste sind aber die Ideen, am Geld wird es nicht scheitern." Nutzen können das Programm nicht nur Existenzgründer, sondern auch Unternehmen, die expandieren oder neue Arbeitsplätze schaffen wollen. Künftig soll laut Dreher binnen einer Woche über Anträge entschieden werden. Bisher dauerte dies vier Wochen. Die Obergrenze für Existenzgründungskredite erhöhe sich gegenüber dem Mittelstandskreditprogramm von einer auf vier Mill. DM.Die Brandenburger sind nach Auskunft des Wirtschaftsministers mit einer Selbstständigenquote von 8,5 Prozent weiter das existenzfreudigste Volk in Ostdeutschland. Seit der Wende haben sich den Angaben zufolge pro 10 000 Einwohner 512 wirtschaftlich auf eigene Füße gestellt. Diese positive Entwicklung belege auch der Gründungssaldo, der 1998 bei 4556 Unternehmen lag. Im ersten Halbjahr 1999 hätten sich 1400 mehr Gewerbe an- als abgemeldet.Nach Auskunft von DtA-Vorstandsmitglied Joachim Lesser nutzt bislang in den neuen Ländern nur die Hälfte aller Existenzgründer die Möglichkeit öffentlicher Finanzierungshilfen, im Westen sogar nur jeder Fünfte. "Dabei liegt die "Sterberate" bei geförderten Gründungen unter zehn Prozent, ohne jede staatliche Förderung muss jeder zweite Gründer vorzeitig das Handtuch werfen", betonte Lesser am Montag.

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