Wirtschaft : Potsdamer Banker: Berliner müssen sparen

Die Mittelbrandenburgische Sparkasse will die Berliner Sparkasse von der Bankgesellschaft übernehmen

NAME

Berlin (dr/hop). Die Mittelbrandenburgische Sparkasse (MBS) strebt eine Fusion mit der Sparkasse Berlin an. Dies erklärte der Vorstandsvorsitzende der MBS, Walter Schubert, am Dienstag dem Tagesspiegel. Eine Fusion sei wirtschaftlich erstrebenswert und auch mit Blick auf die angestrebte Fusion der Länder Berlin und Brandenburg sinnvoll, sagte Schubert. Die Berliner Bank ist Bestandteil des Angebots, was aber letztlich mit der Berliner Bank geschehe, müsse man sehen. Hier will sich Schubert „alle Optionen offen lassen“. Die Berliner Bank und die Sparkasse Berlin sind Teile der Bankgesellschaft Berlin, die zum Verkauf steht.

Für Berlin müssten zwei starke Wettbewerber erhalten bleiben. Dazu zählt Schubert die Sparkasse – mit oder ohne Berliner Bank – und die Berliner Volksbank. Der Vorstandsvorsitzende der Berliner Volksbank, Karl Kauermann hatte vor fast einem Jahr Interesse an den Filialen der Berliner Bank bekundet, war dann aber von seinem Bundesverband gebremst worden.

Die Mittelbrandenburgische Sparkasse ist Mitglied im Bieterkonsortium aus Norddeutscher Landesbank (NordLB) und Deutschem Sparkassen- und Giroverband (DSGV), das eine „indikative Interessensbekundung“ für den Konzern Bankgesellschaft abgegeben hat. Bei einem Zuschlag würde die Bankgesellschaft jedoch aufgeteilt werden. Das Privatkundengeschäft fiele an die Sparkassen, das Kapitalmarktgeschäft und Teile des Immobiliengeschäfts an die NordLB und einen weiteren Investor.

In der Öffentlichkeit hat die Wortwahl „indikative Interessensbekundung“ zu Verwirrung geführt, da alle anderen Bieter ein Angebot abgegeben haben. Schubert, der nur für sein Institut sprechen wollte, sieht jedoch keinen Unterschied. Das Land Berlin habe ein „indikatives freibleibendes Angebot“ verlangt. „Dem sind wir nachgekommen.“ Er sehe „materiell keinen Unterschied“ zu den Angeboten der anderen Bieter. Es handele sich hier eher um „eine diplomatische Formel“, auf die sich die Mitglieder des Konsortiums geeinigt hätten. Das Konsortium habe auch eine Zahl genannt. Diese sei allerdings nur eine Diskussionsgrundlage und nicht zwingend ein möglicher Kaufpreis. Genaueres, sagte Schubert, „können wir erst sagen, wenn wir auch die genauen Zahlen aus dem Kredit-und Privatkundengeschäft der Sparkasse und der Berliner Bank kennen“. Bisher wurden vor allem die Risiken im Immobilienbereich beleuchtet. Detailliertere Informationen gebe es erst im Rahmen der zweiten Due Diligence, bei der die Bieter Geschäftsunterlagen genauer unter die Lupe nehmen.

Die Berliner Sparkasse müsse im Privatkundengeschäft, dem so genannten Retail Banking, spätestens im Jahre 2005 ein „erfreuliches Ergebnis bringen“, sagte Schubert. Er wolle dies unter anderem über Kostensenkungen erreichen und nicht, „indem wir den Kunden überfordern“. Die MBS habe ein überdurchschnittlich gutes Verhältnis von Aufwand und Ertrag, davon seien die Berliner noch entfernt. „Es braucht keine Marmortresen und Luxusbüros. Wir arbeiten hier in Potsdam in bescheideneren Büros – und das sind trotzdem keine Hütten.“

Ob auch beim Personal gespart, also Stellen gestrichen werden sollen, ließ Schubert offen. Gegenwärtig kenne er nur die Pläne des Vorstandes der Bankgesellschaft, rechnerisch 4000 Stellen abzubauen. Wie viele davon auf die Sparkasse entfielen, müsse sich erst noch zeigen. Erst dann lasse sich feststellen, ob die Berliner Sparkasse zu viel Personal habe. Allerdings hätten die Berliner auch ein großes Marktpotenzial, sagte Schubert. „Bei unserem Start 1991/92 hatten wir ein Drittel zu viel Personal. Aber wir haben unser Geschäft ausgeweitet und so die Arbeitsplätze bis heute erhalten.“

Kritisch äußerte sich Schubert zu den Mitbietern. Die Zusage keine weiteren Garantien durch das Land in Anspruch nehmen zu wollen, erscheine ihm etwas „vollmundig“. Ob sich eine Übernahme des Privatkundengeschäfts für einen privaten Investor wirklich lohnen würde, zog der Vorstandsvorsitzende in Zweifel. „Eine Rendite vor Steuern von 25 Prozent erwirtschaften sie da nicht. Als Sparkasse wollen und müssen wir aber keine Gewinnmaximierung betreiben, auch wenn wir wirtschaftlich agieren müssen.“

Für den Fall, dass ein privater Investor den Zuschlag für die Sparkasse bekommt, sieht Schubert ernste Probleme. Die Berliner Sparkasse sei Teil des EDV-Verbundes der Sparkassenorganisation. „Wenn ein so großer Nutzer rausfällt, bekommen sie ein Kostenproblem“, sagte Schubert. Die Sparkassen hielten es nämlich für „schwierig bis unmöglich“, einem privaten Mitbewerber die weitere Nutzung des EDV-Verbundes zu gestatten. Auch für die Deka, die Anlagegesellschaft der Sparkassen, täten sich Probleme auf. Bisher habe die Deka ihre Produkte noch nie über private Institute verkauft. Berlin sei für die Deka jedoch der zweitgrößte Absatzmarkt in Deutschland.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben