Wirtschaft : PowerGen sucht Käufer für seine Mibrag-Beteiligung

ANDREAS MIHM (HB)

BERLIN .Die Liberalisierung der Stromwirtschaft sorgt für Bewegung auf dem ostdeutschen Energiemarkt, auf dem nach der Wende erstmals auch ausländische Anbieter Fuß gefaßt haben.Offenbar als Folge neuer strategischer Überlegungen will sich die britische PowerGen Plc., London, die bei mehreren Beteiligungsengagements in Deutschland nicht zum Zuge kam, aus dem angelsächsischen Eigentümerkonsortium bei der Mitteldeutschen Braunkohle AG (Mibrag), Theißen, zurückziehen.Der Rückzug bietet Raum für Spekulationen darüber, ob deutsche Interessenten in das Konsortium einsteigen wollen.

Mibrag-Aufsichtsratschef Wolfgang Oehme bestätigte dem "Handelsblatt" die Verkaufsabsichten der britischen PowerGen.Ein Sprecher von PowerGen gab dagegen keinen Kommentar zu den weiteren Plänen im Braunkohlerevier südlich von Leipzig ab.

Im Gegensatz zu PowerGen wollen die beiden weiteren Anteilseigner, der US- Bergbaukonzern Morrison Knudsen Corp., Idaho, und NRG Energy Inc., Minneapolis, ihr Engagement beibehalten oder sogar ausbauen.NRG plant mit Blick auf die Öffnung der Strommärkte gar den Bau eines eigenen 400 Megawatt-Braunkohlekraftwerks und sucht dafür nach eigenen Angaben industrielle Partner.Gerade der Plan für den Kraftwerksbau belege NRGs Interesse an einem langfristigen Engagement in der Region, erklärte eine Sprecherin.Der US-Konzern ist bereits an verschiedenen Stellen in Europa tätig und will seine Aktivitäten noch weiter ausbauen.

Die Verhandlungen über einen Verkauf der Mibrag-Anteile der britischen PowerGen laufen schon seit dem Frühjahr.Gemäß den in Konsortialverträgen üblichen Vorkaufsklauseln habe PowerGen den beiden Miteigentümern eine Übernahme seines Drittels angeboten, hieß es.Doch offensichtlich sind die Gespräche, die auch die Mibrag nicht offiziell kommentiert, bisher an Bewertungsfragen und den daraus resultierenden unterschiedlichen Preisvorstellungen von Verkäufern und Kaufinteressenten gescheitert.Über diese Preisvorstellungen wurde nichts bekannt.Die drei Firmen hatten die Mibrag Anfang 1994 für einen über 40 Jahre gestreckten Kaufpreis von 2 Mrd.DM (abgezinst 800 Mill.DM) von der Treuhand übernommen und Investititonen in Höhe von 1,3 Mrd.DM zugesichert.

Offenbar als Folge der stockenden Verhandlungen innerhalb des Konsortiums wurden auch erste Gespräche mit deutschen Energiekonzernen geführt, darunter auch mit der Vereinigte Energiewerke AG (Veag).Das Berliner Unternehmen bestätigte entsprechende Kontakte, erklärte aber auch, man habe derzeit kein Interesse an einem Einstieg bei der Mibrag, die immerhin rund 70 Prozent ihrer Braunkohleproduktion an die Veag verkauft.Der Energiekonzern, der zuletzt noch Strompreissenkungen in Aussicht gestellt hatte, wolle sich ganz auf die Stromerzeugung und -verteilung konzentrieren, sagte ein Sprecher.

Dagegen zeigte sich die Lausitzer Braunkohle AG (Laubag), Cottbus, prinzipiell an einem Engagement interessiert.Eine Zusammenführung der Braunkohletagebaue sei sinnvoll.Gespräche seien noch nicht geführt worden, hieß es bei der Gesellschaft, deren Hauptaktionär die Kölner RWE-Tochter Rheinbraun ist.

Andererseits wird in der Energiewirtschaft darauf hingewiesen, daß hier neben dem Preis auch der Umfang einer eventuellen Beteiligung ausgehandelt werden müßte.Eine Minderheitsbeteiligung sei für die Laubag vermutlich nicht von Interesse.Schon Anfang der neunziger Jahre hatte RWE Interesse an einem Einstieg in dem mitteldeutschen Revier signalisiert, um - wie Kritiker sagten - deren Tagebau stillzulegen.

Die Mibrag ist mit einer Jahresförderung von 13,9 Mill.Tonnen, einem Umsatz von zuletzt 533 Mill.DM und rund 2500 Beschäftigten erheblich kleiner als die Laubag.Das Lausitzer Unternehmen förderte 1997 knapp 49 Mill.Tonnen Braunkohle und setzte 1,82 Mrd.DM um.Die Laubag beschäftigt 7000 Mitarbeiter.Im Gegensatz zur verlustreichen Mibrag, die erst 2001 die Gewinnzone erreichen will, erzielte die Laubag zuletzt 27,5 Mill.DM Jahresüberschuß.

"Alles ist im Fluß", kommentierte Mibrag-Aufsichtsratschef Wolfgang Oehme die laufenden Gespräche.Nun müsse man den Ausgang der Verhandlungen abwarten."Wie das am Ende ausgeht, das kann man überhaupt nicht voraussagen", meinte der frühere Vorstandschef der Esso AG.Doch rechne er mit einer Entscheidung in diesem Jahr.Denn niemand könne ein Interesse daran haben, "daß sich die Gespräche endlos hinziehen".

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