Wirtschaft : Präsident Top Gun

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Manchmal fragen wir uns, ob Amerikas Demokraten einfach zu wenig an die frische Luft kommen. Wir denken hierbei an ihre jüngste Kritik an Präsident George W. Bush und seiner Landung an Deck des Flugzeugträgers U.S.S. Abraham Lincoln, die sie vergangene Woche als „großspurige Zurschaustellung“ missbilligten. Der demokratische Senator Robert C. Byrd aus dem Bundesstaat WestVirginia erklärte vergangene Woche in einer Rede, er sei „tief beunruhigt“ durch das Verhalten des Präsidenten, das er als einen „Affront gegen die im Irak getöteten oder verletzten Amerikaner“ bezeichnete.

Unterdessen bat der demokratische Kongressabgeordnete Henry Waxman den obersten Rechnungshof, Steuergelder auszugeben, um eine „vollständige Kostenrechnung“ für den Ausflug zu erstellen. Selbst Bushs Chefstratege im Weißen Haus, Karl Rove, könnte sich so etwas nicht ausdenken.

Die Aufnahmen von George W. Bush in Pilotenmontur, umgeben von lächelnden Soldaten, werden bleibende Bilder seiner Präsidentschaft sein. Sicher war die Aktion eine Inszenierung – als wäre das etwas Unbekanntes in der Politik. Hat Senator Byrd sich in West-Virginia etwa nie mit seinen Grubenarbeitern oder in anderer, ähnlich mediengerechter Pose ablichten lassen?

Der einzige „Affront“, der hier vorliegt, ist das ungebührliche Verhalten des Senators, dem Oberbefehlshaber der Streitkräfte die Freude zu missgönnen, einige seiner Matrosen und Marines, die er in gefährliches Fahrwasser befehlen musste, in der Heimat willkommen zu heißen, und den Seeleuten die offenkundige Freude, ihren Präsidenten zu treffen. Die Männer und Frauen an Bord der U.S.S. Lincoln waren fast zehn Monate lang auf See gewesen – das war der längste Einsatz eines US-Marineschiffs seit 30 Jahren. Dutzende Soldaten sollten ihre neugeborenen Söhne und Töchter das erste Mal zu Gesicht bekommen. Was den Herren Byrd und Waxman tatsächlich missfallen und zu ihren Reaktionen veranlasst haben dürfte, war vermutlich vielmehr das, was sich ereignete, nachdem der Präsident auf Deck gelandet war: Der Enthusiasmus, mit dem die Besatzung des Flugzeugträgers ihren Oberbefehlshaber begrüßte, konnte nicht inszeniert werden. Die wechselseitige Sympathie war offensichtlich.

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