Wirtschaft : Praktika für Pädagogen?: Arbeitgeberchef Hundt will Lehrer in Betriebe schicken

Alle Lehrer sollen nach dem Willen von Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt künftig in den Schulferien zu Praktika in Betrieben verpflichtet werden. Nur so könnten sie ihre Schüler kompetent auf das Leben und die Berufswelt vorbereiten, sagte Hundt der Tageszeitung "Die Welt". Er warf den Lehrern vor, häufig zu wenig Ahnung von der Welt außerhalb der Schule und von generellen wirtschaftlichen Zusammenhängen zu haben. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und der Deutsche Lehrerverband reagierten empört auf den Vorstoß.

Die GEW-Vorsitzende Eva-Maria Stange warf dem Arbeitgeberchef vor, "wie ein Blinder von der Farbe" zu reden. Er schüre wider besseres Wissen öffentliche Vorurteile. Stange lud Hundt ein, Schulen zu besuchen und am Unterricht teilzunehmen, um sich ein realistisches Bild von der Lehrerarbeit zu verschaffen.

Der Präsident des Lehrerverbandes, Josef Kraus, forderte den Arbeitgeberpräsidenten auf, sich angesichts der gigantischen Flops mancher Großunternehmen lieber den Kopf über die Qualifikation deutscher Manager zu zerbrechen und nicht mit kenntnisarmen Forderungen an die Schulen heranzutreten. Lehrer leisteten alleine schon dadurch selbstständig wichtige Fortbildung, dass sie sich mit neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen vertraut machten.

Hundt forderte zugleich, die Lehrkräfte künftig nach Leistung zu bezahlen. "Es schadet der Ausbildung an den Schulen, wenn gute Lehrer genauso viel verdienen wie schlechte Lehrer", betonte der Arbeitgeberpräsident. Wer sich im Unterricht engagiere und regelmäßig fortbilde, solle mehr Geld erhalten als Lehrer mit schlechten Leistungen. Fachaufsichten sollten sich künftig mit regelmäßigen Unterrichtsbesuchen ein Bild über die Qualität eines Lehrers machen. Diese Forderung begrüßte der Lehrerverband.

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