Praxisversuch : Berliner testen E-Auto auf dem Land

Der Batteriehersteller DBM verkauft drei Fahrzeuge an das Oldenburger EWE-Forschungszentrum für Energietechnologie. Dort sollen die Autos beweisen, dass sie mehr können als andere E-Autos.

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Batterien aus Berlin. Hersteller DBM hat wenig Freunde in der Autoindustrie, weil er behauptet, mehr zu können. Am Donnerstag startete ein Praxistest. Foto: promo
Batterien aus Berlin. Hersteller DBM hat wenig Freunde in der Autoindustrie, weil er behauptet, mehr zu können. Am Donnerstag...

Der Berliner Hersteller von Hochleistungsbatterien DBM Energy gibt nicht auf: Nach der 2010 mit reichlich Spott und Missgunst aus der Autoindustrie begleiteten Weltrekordfahrt seines Elektroautos, das später bei einem Brandanschlag in Flammen aufging, startete DBM am Donnerstag einen Praxistest mit drei neuen Fahrzeugen. Nicht in Berlin, nicht in einer Stadt – sondern auf dem Land, rund um Oldenburg. Hier soll das DBM-Auto, ein umgebauter Audi A2, zeigen, was es besser kann als alle anderen E-Autos: mehr als 200 Kilometer mit einer einzigen Batterieladung fahren.

„Nach der ersten Demonstrationsfahrt und den bestandenen technischen Prüfungen soll jetzt die Alltagstauglichkeit unserer Kolibri-Batterie überprüft werden“, sagte DBM-Geschäftsführer Mirko Hannemann. Um zu überprüfen, ob die Akkus in der Praxis länger halten als alle, die in der Industrie derzeit verwendet werden, testet das Oldenburger EWE-Forschungszentrum für Energietechnologie Next Energy die DBM-Audis. In den Fahrzeugen werden Lithium-Metall-Polymer- Akkus verwendet – die Industrie setzt auf die Lithium-Ionen-Technologie.

Im Rahmen des vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Projekts „Grid-Surfer“ sollen die Fahrzeuge, die jeweils 120 000 Euro kosteten, bis September mindestens 15 000 Kilometer zurücklegen. Dabei werden zahlreiche Nutzerdaten gesammelt und ausgewertet. Next Energy begründete seine Anbieterwahl damit, dass die Serienfahrzeuge einiger ausländischer Hersteller spätestens nach 70 bis 150 Kilometern nachgeladen werden müssten, was für Fahrten außerhalb der Städte ungeeignet sei. Die Bundesanstalt für Materialforschung und die Dekra hatten Anfang des Jahres verschiedene erfolgreiche Sicherheits- und Leistungstests der Kolibri-Technik von DBM durchgeführt.

„Nach den Tests zeigte sich auch die Autoindustrie wieder interessiert an unserer Technologie“, sagte Mirko Hannemann dem Tagesspiegel. Mit BMW und Audi habe man auch Gespräche darüber geführt, ob und wie die DBM-Batterien bei einem der Hersteller getestet werden könnten. Eine engere Kooperation scheiterte an der Weigerung beider Seiten, technisches Know-how preiszugeben. Nun wird ein neutraler Prüfer gesucht.

Das Bundeswirtschaftsministerium, das DBM mit 275 000 Euro Euro gefördert hatte, hält an seiner Unterstützung der Berliner Firma fest, eine weitere finanzielle Förderung gibt es aber zunächst nicht. „Unsere Aufgabe ist es jetzt, nach den exzellenten Testergebnissen, der Technologie auf den Grund zu gehen“, sagte Christian Liebich vom Wirtschaftsministerium. Andere Fahrzeuge mit einer ähnlichen Reichweite hätten kurzfristig nicht zur Verfügung gestanden – schon gar nicht von den deutschen Herstellern. „Von der Gegenseite kommt aktuell nichts“, sagte Liebich mit Blick auf die Kritik deutscher Hersteller an DBM. Dabei sei offenkundig, dass „alles, was die ganze Welt sucht, in Deutschland zu haben ist“. „Trotzdem wird DBM madig gemacht.“ Angezweifelt wird in der Branche insbesondere die Lebensdauer der Batterie, kritisiert werden die hohen Kosten. „Wir produzieren alles in kleinster Stückzahl“, sagte dazu Hannemann. Erst bei größeren Mengen seien niedrigere Kosten möglich.

Auch dafür gibt es Pläne: „Wir gehen noch in diesem Jahr mit einer eigenen Batteriefabrik an den Start“, sagte Hannemann dem Tagesspiegel. Produziert werden sollen aber Batterien für stationäre Speicher – ein wichtiger Baustein bei der Nutzung erneuerbarer Energien. „Es gibt bereits Investoren, die eine 20 000 Quadratmeter große Halle mitbringen“, versicherte der DBM-Chef. In Berlin, das sich Hoffnungen auf die Ansiedlung einer Batterieproduktion macht, wird die Fabrik nicht stehen. „Es geht um einen Standort im Rheinland“, verriet Hannemann.

Der Berliner Senat beobachtet die Aktivitäten von DBM dennoch wohlwollend: „Wenn sie so erfolgreich sind wie bisher, wird sie sich ein Autohersteller schnappen“, sagte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) bei einer Veranstaltung des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller am Mittwochabend. Dass DBM als „innovatives Unternehmen“ unter „Generalverdacht“ stehe, sei nicht gerechtfertigt.

Mirko Hannemann denkt derweil darüber nach, sich künftig auf die Entwicklung und Produktion stationärer Speicher zu konzentrieren. Interesse an seinen E-Autobatterien gibt es – aus China. „Ich bekomme fast jeden Tag E-Mails chinesischer Interessenten“, sagte er. „Die haben genug Spielgeld.“

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