Wirtschaft : Preise sollen weniger stark steigen Händler erwarten ein schlechtes Jahr

Berlin - Die Preise für Lebensmittel werden nach Einschätzung des Einzelhandels in der zweiten Jahreshälfte weniger stark als bisher steigen. Da bei den Grundnahrungsmitteln weltweit gute Ernten angekündigt seien, würden die zuletzt starken Preissteigerungen in den kommenden Monaten „eher abklingen“, sagte der Präsident des Branchenverbandes HDE, Josef Sanktjohanser, am Mittwoch in Berlin. Allerdings gingen mittel- und langfristige Prognosen von weiter steigenden Lebensmittelpreisen aus, fügte er hinzu. Als Gründe nannte er eine weltweit steigende Nachfrage und den Klimawandel.

Angesichts anhaltender Konsumzurückhaltung bei den Verbrauchern korrigierte der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels zugleich seine Jahresprognose nach unten: Statt mit einem nominalen Umsatzplus von zwei Prozent rechnet die Branche nunmehr nur noch mit 1,5 Prozent, was inflationsbereinigt ein Minus von etwa einem Prozent bedeuten würde. „Das Konsum-Umfeld hat sich schwächer entwickelt als erwartet“, befand Sanktjohanser. Mit einer Besserung rechnet er vorerst nicht – und erinnerte daran, dass die Sparquote der Deutschen stetig auf zuletzt 14,8 Prozent gestiegen sei. Die Verbraucher seien „von dem Bewusstsein geprägt, dass der Aufschwung sie nicht erreicht hat“.

Derweil dürfte Bier bald teurer werden. Der „Beck's“-Hersteller Inbev will ab September einen Euro mehr pro Kasten verlangen, wie am Mittwoch aus Branchenkreisen verlautete. Die Preiserhöhung betreffe sowohl Handel als auch Gastronomie, teilte der belgisch-brasilianische Konzern mit. In welchem Maße die Preiserhöhung an die Verbraucher weitergegeben werde, sei kaum abschätzbar. Handel und Gastronomie müssten für sich entscheiden, ob und wie stark sie mit den Endverbraucherpreisen anziehen wollten, erklärte das Unternehmen, das in Deutschland zehn weitere Marken vertreibt, darunter „Franziskaner“, „Hasseröder“ oder „Diebels“. Mit der Preiserhöhung reagiere Inbev auf gestiegene Kosten.

Angesichts der gestiegenen Inflationsrate hat Jean-Claude Trichet, Präsident der Europäischen Zentralbank, vor Nachlässigkeit im Umgang mit der Inflation gewarnt. „Wir Notenbanker tragen eine große Verantwortung. Wenn wir nicht entschlossen sind, besteht das Risiko, dass die Inflation explodiert“, sagte er der „Zeit“. „Wenn wir entschieden handeln, dann können wir die Situation meistern“, erklärte er weiter. Es gilt als sicher, dass die EZB an diesem Donnerstag die Zinsen leicht erhöht. AFP

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