Wirtschaft : Preiserhöhungen - zum Nutzen aller

HEIKE JAHBERG

Jeder Autofahrer hat sie, jeder Autofahrer braucht sie - die Kfz-Haftpflichtversicherung. Weil das so ist, sind die Autofahrer begehrte Kunden. Denn die Versicherer hoffen auf das Folgegeschäft: Hat man dem Kunden erst einmal eine Haftpflichtpolice verkauft, ist es leichter, ihm später noch eine Unfall- oder Lebensversicherung anzudienen. Mit denen läßt sich dann auch gutes Geld verdienen. Ganz im Gegensatz zur Haftpflicht- und Kaskoversicherung.Die Verluste, die die Versicherer im Autobereich einfahren, sind gigantisch. Kein Wunder, daß die Gesellschaften nun auf die Bremse treten. Während die Beiträge in den vergangenen Jahren stets nach unten gingen, wollen die Versicherer nun erstmals die Preise wieder erhöhen.Das wird zwar den Kunden nicht gefallen, aber es wäre ein vernünftiger Schritt. Denn der Wettbewerb in der Autoversicherung hat wahnwitzige Blüten getrieben. Mit immer abenteuerlicheren Tarifen balgen sich die Versicherer um die "guten Risiken" bis hin zu Gefälligkeitsrabatten für wechselfreudige Kunden. Das klingt zwar verbraucherfreundlich, ist es aber nicht. Denn ohne fremde Hilfe ist kaum jemand in der Lage, die verschiedenen Angebote wirklich zu vergleichen und das für ihn beste herauszupicken.Das macht auch den Versicherern zu schaffen. Zwar können die großen Unternehmen die Verluste wegstecken, indem sie aus ihren Kapitalanlagen zubuttern. Doch vielen kleinen Gesellschaften steht allmählich das Wasser bis zum Hals. Sie können den harten Tarifwettbewerb nicht mehr lange aushalten. Preiserhöhungen würden den Druck mildern. Doch ob sie sich tatsächlich am Markt durchsetzen lassen, ist fraglich. Denn: Auf die "guten Kunden" will niemand verzichten.

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