Preisexplosion bei neuer Arznei : Pro Packung 4000 Euro

Mit neuen patentgeschützten Arzneimitteln verdienen sich die Hersteller gesund. Sie kosten im Schnitt mehr als 4000 Euro pro Packung. Vor zwei Jahren waren es noch 1250 Euro weniger.

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Immer teurer. Bei neuen Arzneimitteln ist der Durchschnittspreis in zwei Jahren um mehr als 45 Prozent gestiegen.
Immer teurer. Bei neuen Arzneimitteln ist der Durchschnittspreis in zwei Jahren um mehr als 45 Prozent gestiegen.Foto: picture-alliance/ dpa

Der Verkaufspreis für neue patentgeschützte Arznei hat sich in den vergangenen zwei Jahren drastisch erhöht. Zum Jahresbeginn 2014 kosteten die Innovationen der Pharmaindustrie im Mittel noch 2751 Euro. Mittlerweile verlangen die Apotheken pro Packung durchschnittlich 4007 Euro Das entspricht einer Steigerung von 45,6 Prozent. Und es ist 15 mal mehr als der durchschnittliche Packungspreis aller Arzneimittel, der derzeit bei knapp 262 Euro liegt.

Die Zahlen stammen aus dem aktuellen Preisindex für Arzneimittel, den das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) am Dienstag veröffentlichte. Sie zeigten deutlich, dass man auf die Preisstrategien der Hersteller reagieren müsse, sagte der stellvertretende WIdO-Geschäftsführer Helmut Schröder. Offensichtlich reagiere die Pharmaindustrie auf Regulierungsansätze wie das geltende Arzneimittelneuordnungsgesetz (Amnog) mit extrem hohen Markteintrittspreisen. „Darauf muss die Politik noch Antworten finden.“

Bis zur Amnog-Regelung im Jahr 2011 waren die Hersteller bei neuen Arzneimitteln völlig frei in der Preisgestaltung. Seither sind sie das nur noch ein Jahr lang. Danach orientiert sich der Preis am sogenannten Zusatznutzen des Medikaments gegenüber bereits länger auf dem Markt befindlichen Arzneimitteln. Ist ein solcher nachweisbar, erstatten die gesetzlichen Kassen höhere Preise, im anderen Fall zahlen sie weniger.

134 neue Mittel wurden inzwischen bereits auf diese Weise getestet, bei 60 davon verlief die Bewertung negativ. Die Kassen sparten dadurch bereits 800 Millionen Euro.

Aus Kassensicht schlagen die Pharmahersteller bei der Markteinführung neuer Medikamente umso stärker drauf. Gesundheitsökonomen drängen deshalb darauf, dass die Nutzenbewertung schon früher erfolgt und die ausgehandelten Erstattungspreise auch rückwirkend gelten.

1,3 Milliarden nur für neue Hepatitis-Medikamente

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums schlugen 2015 allein die neu zugelassenen Mittel gegen Hepatitis C mit 1,3 Milliarden Euro zu Buche. Das Medikament Sovaldi von Gilead Sciences etwa kostete trotz Preissenkung um 27 Prozent pro Packung immer noch 14.521 Euro, für eine zwölfwöchige Therapie fielen mehr als 43.500 Euro an. Insgesamt kamen in den vergangenen 36 Monaten 128 patentgeschützte Mittel neu auf den Markt.

Der Verband Forschender Arzneihersteller (VfA) kritisierte die Studie. Die Bildung von Durchschnittspreisen habe „keine Aussagekraft“, sagte der zuständige VfA-Geschäftsführer Markus Frick dem Tagesspiegel. „Dass Spezialpräparate teurer sind und sein müssen als Massenprodukte ist nicht überraschend.“ Und dass es einen Trend zu hochwirksamen Spezialpräparaten für schwer Erkrankte gegeben habe, sei eine erfreuliche Tatsache. Im übigen liege der Listenpreis für Arzneimittel, die das gesetzliche Preisbildungsverfahren durchlaufen haben, bereits um zehn Prozent unter dem europäischen Mittelwert.

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