Wirtschaft : Preiskämpfe belasten Bayernwerk

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Der vor seiner Fusion mit der Hannoveraner Preussen-Elektra AG stehende Münchner Energieversorger Bayernwerk AG stöhnt weiter unter den Preiskämpfen am heimischen Strommarkt. Während bei industriellen Großkunden die Talsohle wohl erreicht sei, müsse man bei Privatkunden dieses Jahr mit anhaltenden Erlösschmälerungen rechnen, sagte Konzernchef Otto Majewski zur voraussichtlich letzten Bilanzvorlage des 79 Jahre alten Traditionsunternehmens.

Um den daraus resultierenden Druck auf die Gewinne zu mildern, bleibe der Personalstand "deutlich im Sinkflug". Insgesamt betrage der "Überhang, der zügig abgearbeitet wird, 2000 Mitarbeiter", sagte Majewski. Angesichts der knapp 1700 Stellen, die bereits im Vorjahr gestrichen wurden, werde es immer schwieriger, das sozialverträglich zu regeln. Ende 1999 arbeiteten für das zum Münchner Viag-Konzern zählende Bayernwerk noch gut 16 000 Frauen und Männer.

Auch der anhaltende Personalabbau konnte im Vorjahr aber eine annähernde Halbierung des Konzernjahresüberschusses auf 489 Millionen Mark nicht verhindern, räumte Majewski ein. Verantwortlich dafür seien zum einen Strompreissenkungen für Privatkunden von rund einem Viertel, Kosten für Personalabbau und steigende Verluste im Telekommunikationsgeschäft, die die Viag beim Bayernwerk abschreibt. Im laufenden Jahr wolle das Bayernwerk versuchen, in die Nähe des Vorjahresergebnisses zu kommen, sagte Majeweski angesichts der unsicheren Strompreisentwicklung zurückhaltend. Entlastend sollen 2000 Einsparungen von rund 400 Millionen Mark wirken und ein rasant zunehmender, wenn auch margenschwacher Stromhandel. In der laufenden Periode werde das eigene Handelsgeschäft nochmals auf knapp 30 Milliarden Kilowattstunden verdoppelt.

Zusammen mit Preussen-Elektra steige das Bayernwerk nach der voll im Plan liegenden und für Spätsommer 2000 vorgesehenen Fusion beider Konzerne zur Eon Energie AG zum größten Stromhändler Europas auf und werde am gesamten europäischen Strommarkt sieben Prozent Anteil haben. Konzernweit soll der Stromabsatz inklusive des Geschäfts in den Stammregionen dieses Jahr auf nahe 100 Milliarden Kilowattstunden steigen, schätzte Majewski. Im Vorjahr war der Absatz um 7,5 Prozent auf gut 78 Milliarden Kilowattstunden gewachsen.

Dennoch gaben die Umsätze strompreisbedingt erstmals seit sieben Jahren um rund sechs Prozent auf 10,3 Milliarden Mark nach. Der Wettbewerb auf den Strommärkten hat für die Münchner aber auch positive Seiten. So habe man 1999 für jede Kilowattstunde, die an Wettbewerber abgegeben werden mussten, denen das Achtfache in Form von Kunden abgejagt, bilanzierte Majewski das "Jahr eins des Wettbewerbs".

In keiner Kundengruppe habe das Bayernwerk unter dem Strich Absatzeibußen hinnehmen müssen und unter anderem 125 000 Privatkunden neu gewonnen. Positiv wertete Majewski auch den Verlauf der Konsensgespräche. Eine Einigung über die Restlaufzeiten für deutsche Kernkraftwerke sei mit der Bundesregierung bis zum Sommer erreichbar. Andererseits zwinge der Transportstopp für abgebrannte Kernbrennstoffe zum Bau von Zwischenlagern an Kraftwerksstandorten, was rund 85 Millionen Mark koste.

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