Wirtschaft : Preiskampf: Ein kleiner Sieg des Kartellamtes (Kommentar)

Margarita Chiari

Für das Kartellamt ist es ein kleiner Triumph. Erstmals seit langem ist es den Wettbewerbshütern gelungen, den großen Handelsketten einen Schuss vor den Bug zu gegeben. Das tut gut nach den vielen Jahren des Spotts. Denn immer wieder hatte die Behörde den Zusammenschlüssen im deutschen Einzelhandel und dem gnadenlosen Preiswettbewerb tatenlos zusehen müssen. Dass sich dies nun geändert hat, liegt nicht nur an dem seit Anfang 1999 geltenden Verbot des Verkaufs unter Einstandspreis. Ausgezahlt hat sich vor allem die mühselige Kleinarbeit der Behörde, die raffinierten Berechnungen von Treuerabatten, Jubiläumsboni und sonstigen Vergünstigungen aufzuschlüsseln - um überhaupt einen Einstandspreis festlegen zu können. Doch hat sich der Aufwand wirklich gelohnt?

Der Preiskrieg im deutschen Lebensmittelhandel ist mit der Entscheidung des Kartellamtes nämlich keineswegs beendet. Der Grund für den gnadenlosen Wettbewerb bleibt weiterhin bestehen: Es gibt zu viele Einzelhandelsflächen in Deutschland. Der Verdrängungskampf wird weiter gehen, und solange der Preis dabei den Ausschlag gibt, werden die großen Konzerne weiterhin im Vorteil sein - ob mit oder ohne Rabatt. Einzelne Sonderaktionen wird es weiterhin geben, untersagt hat das Kartellamt nur die auf Dauer angelegten "Purzelpreise". Aber auch hier müssen die Verbraucher nicht fürchten, dass Butter, Milch und Zucker nun schlagartig teurer werden. Allzu groß sind die Möglichkeiten, die Preise zu erhöhen, ohnedies nicht. Selbst Kartellamtspräsident Ulf Böge räumt ein, dass die groß angekündigten "Purzelpreise" von Aldi, Wal-Mart, Lidl & Co. dem einzelnen Verbraucher bei konsequenter Beachtung allenfalls eine Ersparnis von fünf Mark im Monat gebracht hat. Ein wahrlich kleiner Sieg, den das Kartellamt errungen hat.

0 Kommentare

Neuester Kommentar