Wirtschaft : Preiskampf: Lebensmittelhandel warnt vor Stellenabbau

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Der Preiskampf im Lebensmittelhandel hat einen neuen Höhepunkt erreicht. "Ein großer Teil der Unternehmen kann jetzt nicht mehr mitgehen", warnte am Montag der Geschäftsführer des Bundesverbandes des Deutschen Lebensmittel-Einzelhandels (BVL), Marcus Girnau. Er geht davon aus, dass ein Abbau von Arbeitsplätzen und eine ausgedünnte Versorgung die Folge sein werden. Das Preisdumping gefährde nicht nur kleine und mittelständische, sondern auch große Unternehmen.

BVL-Geschäftsführer Girnau erwartet, dass der Preiskampf, den der Lebensmittel-Discounter Aldi und der amerikanische Konzern Wal-Mart vor einigen Tagen angezettelt haben, in voller Härte durchgezogen wird. "Bis jetzt gibt es keine Anzeichen dafür, dass einer der beiden nachgeben wird", sagte Girnau. Mittlerweile sei man bei so genannten Einstandspreisen angelangt, das heißt, dass zu Preisen verkauft wird, die kaum über den Einkaufspreisen lägen. Sowohl der Wal-Mart-Konzern, der 1998 weltweit 142,5 Milliarden Euro umsetzte, wie auch Aldi mit einem Umsatz von 28,4 Milliarden Euro in Deutschland verfügen nach Ansicht von Beobachtern über genügend Mittel, um den Kampf eine Weile durchhalten zu können.

Von den Ermittlungen, die das Bundeskartellamt vor kurzem gegen Wal-Mart und andere Betriebe aufgenommen hat, verspricht sich Girnau keine Verbesserung der Situation. "Das Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkung (GWB) ist ein stumpfes Schwert - ob es wirklich zu Verkäufen unter dem Einstandspreis gekommen ist, lässt sich in der Regel kaum nachweisen." Unterdessen teilte das Statistische Bundesamt mit, dass die Zahl der Beschäftigten im Einzelhandel im April den 13. Monat in Folge gesunken sei. In der Branche waren 2,6 Millionen Menschen tätig, 0,4 Prozent weniger als vor einem Jahr.

Die zwischen Aldi und Wal-Mart tobende Preisschlacht trifft nach Ansicht von Beobachtern vor allem die Unternehmen, die ausschließlich auf Niedrigpreise setzen. "Auf die Dauer wird die Preisstrategie alleine nicht ausreichen, um gegen die Großen in der Branche zu bestehen", sagt BVL-Geschäftsführer Girnau.

Diese Erkenntnis scheint sich auch in der Branche herumzusprechen. Sowohl die Rewe-Gruppe, wie auch bei den zu der Metro-Gruppe gehörenden Real-Supermärkten will man versuchen, eigene Preissenkungen so lange wie möglich zu vermeiden. "Wir setzen verstärkt auf Kundenbindung, Service und Qualität", sagt Reinhardt von Leoprechting, Pressesprecher der Real-Gruppe. Gerüchte, der größte deutsche Handelskonzern wolle die Real-Supermärkte an die britische Tesco-Gruppe verkaufen, trieben am Montag den Kurs der Metro-Aktie in die Höhe. Sie wurden von der Metro AG allerdings noch am gleichen Tag zurückgewiesen. Metro-Pressesprecher Dirk Kowalke nannte die Gerüchte "reine Spekulation".

Wolfram Schmuck, Pressesprecher der Rewe-Gruppe, beteuert, dass man die Preise in absehbarer Zukunft nicht senken werde. Doch auch im vergangenen Sommer hatte man bei Rewe lange gezögert, um dann die Preise umso heftiger zu senken. Auch bei Edeka, mit 58,4 Milliarden Mark Umsatz Branchenführer im deutschen Lebensmittelhandel, gibt man sich gelassen. Zwar werde man, wo notwendig, die Preise anpassen, sagt Sprecher Joachim Brozio. Generell setze Edeka aber auf Kundennähe und Service. Mit Erfolg, wie es scheint: "In diesem Jahr erwarten wir ein Wachstum von 2,5 Prozent - für die Branche wird ein Rückgang um 0,5 Prozent erwartet", sagt Brozio.

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