Wirtschaft : Preisoffensive der Viag Intercom

MÜNCHEN/MARBURG (rtr).Mit Billigtarifen und Sonderaktionen zum Jahresanfang 1999 will Viag Interkom die Zahl ihrer Mobilfunk- und Festnetzkunden drastisch steigern.Vor allem das Angebot im Handy-Netz werde erweitert, sagte Viag-Interkom-Chef Maximilian Ardelt am Dienstag abend in München.Von Mitte Januar an sollen Vieltelefonierer nach dem Motto "Deutschland zum Ortstarif" per Handy rund um die Uhr bundesweit für 29 Pfennig in der Minute ins Festnetz telefonieren können.Die monatliche Grundgebühr beträgt fast 60 DM.Im Festnetz werden die Preise bereits am 1.Januar bis um 60 Prozent gesenkt.

Viag Interkom hatte am 1.Oktober das vierte digitale Handy-Netz in Deutschland gestartet.Mit Kampfpreisen und einer einheitlichen Organisation für Mobilfunk- und Festnetz will der Nachzügler etablierten Konkurrenten wie Mannesmann Mobilfunk (D2) oder Deutsche Telekom (D1-Netz) Marktanteile abjagen.Das Münchner Unternehmen plant, im Mobilfunk die Zahl seiner Kunden von derzeit rund 25 000 auf 700 000 bis 800 000 im nächsten Jahr zu erhöhen.Das sind rund zehn Prozent des erwarteten rasanten Marktwachstums von sieben Millionen Neukunden.1999 wird die Zahl der Handy-Nutzer in Deutschland nach Schätzungen auf rund 20 Millionen steigen.

Handy-Einsteiger umwirbt Viag Interkom von Mitte Januar bis Ende März mit einem Preis von 99 DM, der ein Gesprächsguthaben von 50 DM und das Handy einschließt.Der Vertrag hat eine Laufzeit von 24 Monaten.Damit rückt Viag Interkom nach eigenem Eingeständnis von seiner Devise ab, Handy-Gerätepreise nicht wie die Konkurrenten zu subventionieren, dafür aber kurze Vertragslaufzeiten von drei Monaten anzubieten."Von einem Teil des Marktes wurde das Konzept nicht angenommen", räumte Ardelt ein.Deshalb gebe es künftig Pakete mit Wahlmöglichkeit.

Um eine bessere Abdeckung im ländlichen Raum zu erreichen, will Viag Interkom sogar mit dem D1-Handy-Netz des Konkurrenten Deutsche Telekom zusammenarbeiten.Zuvor wurde der teurere Umweg über die Swisscom gewählt."Unsere Stärke liegt in den Ballungsräumen", sagte Ardelt.Dort sollen ein engmaschiges Netz und Zusatzdienste wie ein einfacher Zugang zum Internet geboten werden.Er erwartet den Vertragsabschluß mit der Telekom noch im Januar.

Die Reduzierung der Festnetztarife ab Januar bezieht sich auf Ferngespräche, die dann tagsüber 17 Pfennig je Minute kosten, von 18.00 bis 8.00 Uhr sowie an Wochenenden und Feiertagen zehn Pfennig.Im Festnetz hat Viag Interkom nach eigenen Angaben 100 000 private Kunden.Die Telekom und andere Wettbewerber haben ebenfalls Preissenkungen für 1999 angekündigt.Bei der Telekom kosten beispielsweise Ferngespräche künftig tagsüber 24 Pfennig im ISDN-Anschluß und nachts zwischen sechs und zwölf Pfennig.

Die Viag Interkom GmbH (München), ein Gemeinschaftsunternehmen der Viag AG, British Telecom und der norwegischen Telenor, hat bis Ende 1998 rund 2,5 Mrd.DM investiert.Bis 2006 sollen es 7,5 Mrd.DM werden.Nach Anlaufverlusten, die 1998 auf knapp eine Mrd.DM und 1999 über eine Mrd.DM steigen, wird für 2001 die Gewinnzone angepeilt.Das Umsatzziel für 2006 lautet zehn Mrd.DM, für 1999 gut eine Mrd.DM.Die Beschäftigtenzahl soll von derzeit 3800 im nächsten Jahr auf 4000 steigen.

Nach den großen Telefongesellschaften hat auch der Marburger Anbieter Teldafax AG eine Senkung seiner Telefontarife für den Jahresbeginn angekündigt.Ferngespräche im Festnetz würden ab dem 4.Januar werktags von 9.00 bis 18.00 Uhr 17 Pfennige und in der übrigen Zeit 9 Pfennige pro Minute kosten, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit.Die Gesprächsdauer werde sekundengenau abgerechnet, eine Verbindungsgebühr fiele nicht an.

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