Wirtschaft : Preisspanne von 25 bis 31 Euro kann bei starker Nachfrage erweitert werden

Die Aktie der Commerzbank-Tochter Comdirect soll 25 bis 31 Euro (48,90 bis 60,63 Mark) kosten. Bei starker Nachfrage könne die Preisspanne bis auf maximal 34 Euro erhöht werden, teilte die Commerzbank am Montag in Frankfurt mit. Die erste Notierung am Neuen Markt sei für den 5. Juni vorgesehen. Laut Commerzbank-Chef Martin Kohlhaussen wurde damit der Preisspielraum für die Comdirect-Aktie bewusst nicht ausgenutzt, so dass das Papier auch unter diesem Aspekt Mehrwert verspreche.

Die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) prüft unterdessen nach einem Bericht der "Financial Times Deutschland" wegen des Börsengangs eine Klage gegen die Commerzbank. Die Aktionärsschützer sehen durch den Börsengang indessen die Interessen der Commerzbank-Anleger geschädigt. Die Kleinaktionäre wollten nicht länger hinnehmen, dass Konzerne ihre profitablen Teile ausgliederten, an die Börse brächten und damit den Wert des Mutter-Konzerns minderten, ohne den eigenen Anteilseignern ein Vorkaufsrecht einzuräumen, erläuterte SdK-Sprecherin Reinhild Keitel. "Nachdem wir lange versucht haben, unsere Position in Gesprächen klarzumachen, prüfen wir nun juristische Schritte gegen den Vorstand", sagte Keitel.

Je nach Ausgabepreis sollen bis zu 697 Millionen Euro der Comdirect Bank sowie bis zu 258,4 Millionen Euro der Commerzbank als Emissionserlös zufließen. Von den auszugebenden Aktien stammen den Angaben zufolge 20,5 Millionen aus einer Kapitalerhöhung und fünf Millionen aus dem Besitz der Commerzbank. Nach Abschluss des Börsengangs wird die Muttergesellschaft noch mit 58,65 Prozent an der Comdirect beteiligt sein. Der Kooperationspartner T-Online werde 21,35 Prozent halten, der Rest werde breit gestreut sein.

Im ersten Quartal 2000 legte die Comdirect Bank den Angaben zufolge in allen Geschäftsbereichen zu. Das Ergebnis vor Steuern verbesserte sich auf 14 Millionen Euro. Um mit der Geschäftsausweitung Schritt zu halten, seien die Kapazitäten massiv ausgebaut worden. Die Mitarbeiterzahl sei bis Ende März um fast 50 Prozent auf 1089 erhöht worden. "Technisch ist die Comdirect heute in der Lage, bis zu 200 000 Orders pro Tag abzuwickeln - doppelt so viel, wie das bisherige Spitzenaufkommen", hieß es weiter. Bis zum Jahresende soll die Erledigung von einer Million Aufträgen täglich möglich sein.

Zur Zuteilung der Comdirect-Aktien erklärte Kohlhaussen, Tatsache sei, dass die Aktie bei der jeder Bank oder Sparkasse gezeichnet werden könne. "Tatsache ist aber auch, dass dann, wenn die Emission gut läuft, im Wesentlichen nur Depotkunden der Konsortialbanken realistische Chancen auf eine Zuteilung haben." Gegebenenfalls müsse auch hier das Los entscheiden. "Eine Volksaktie in dem Sinne, dass jeder, der möchte, ein paar Stücke bekommt, will und kann die comdirect bei dem zur Verfügung stehenden Volumen jedenfalls nicht sein", betonte der Commerzbank-Chef.

Die Comdirect Bank ging im Februar 1995 an den Start und ist mit 500 000 und einem Marktanteil von rund 30 Prozent laut Commerzbank in Deutschland Marktführer im privaten Online-Wertpapierhandel. Die in Quickborn ansässige Bank gilt als der schärfste Konkurrent der bereits am Neuen Markt notierten Online-Finanzdienstleister Consors und der Direkt Anlage Bank. Allein in diesem Jahr habe sich die Kundenzahl um mehr als 200 000 erhöht. "Das Unternehmen hat einen sehr hohen Bekanntheitsgrad, ein ausgezeichnetes Preis-/Leistungsverhältnis, viele neue Ideen und wird seine umfangreichen Erfahrungen mit dem Medium Internet nun auf die wichtigsten Nachbarmärkte übertragen", sagte Commerzbank-Chef Kohlhaussen.

Der Online-Broker Consors registrierte Ende März 376 000 Konten. Zum Jahresende 1999 verbuchte die Direktbank 196 000 Konten mit einem Depot- und Einlagevolumen von 14,6 Milliarden Mark. Bei der Direkt Anlage Bank AG waren im vergangenen Jahr rund 130 000 Kunden registriet. Im ersten Quartal kamen 92 000 neue Depots hinzu.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben