Wirtschaft : Preisspirale – nach unten

Alles wird teurer? Bei vielen Produkten ist das Gegenteil der Fall

Tina-Marlu Kramhöller

Berlin - Milch, Eier, Kaffee, Benzin – für Lebensmittel und Produkte des täglichen Bedarfs müssen die Verbraucher immer mehr bezahlen. Der Handel gibt die gestiegenen Rohstoffpreise an die Kunden weiter. So sind etwa die Großhandelspreise für Getreide um fast 57 Prozent gestiegen. Doch die Preisspirale dreht sich nicht überall nach oben. Viele Produkte sind zuletzt deutlich günstiger geworden.

Am drastischsten sind die Preise für Konsumelektronik gefallen – also für Computer, Fernsehgeräte oder Digitalkameras. Am schnellsten sanken dabei die Preise für Notebooks: Nach Angaben der Statistiker ist der Preis für einen tragbaren Computer seit März 2007 im Schnitt um 27,9 Prozent gefallen, ähnlich sieht es mit Desktop-Computern aus. Neben der gestiegenen Nachfrage nach Notebooks „sind die günstigen Speicherchips ein Haupttreiber des Preisverfalls“, sagt Michael Schidlack vom Branchenverband Bitkom. Ein weiterer Grund sei der Verdrängungswettbewerb der Hersteller. „Die Unternehmen kämpfen um Marktanteile“, sagt Roland Stehle, Sprecher der Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (gfu). Und: Bei steigendem Absatz sinken die Produktionskosten pro Stück – auch das lässt die Preise sinken.

So ist zum Beispiel der durchschnittliche Preis für einen Flachbildfernseher von 1333 Euro im Jahr 2005 auf rund 880 Euro im Jahr 2008 gesunken. Doch für Bitkom-Experte Schidlack wird sich in den kommenden Jahren „dieser Preisabschwung deutlich verlangsamen“.

Wer seine Musik im Internet kauft, kann sich ebenfalls über niedrigere Preise freuen. Im März 2008 kosteten Downloads von Musiktiteln im Durchschnitt 24,4 Prozent weniger als vor einem Jahr. Florian Koch, Internetexperte des Bitkom, sieht den Grund dafür in den sinkenden Verbindungskosten fürs Internet. So kostete ein Telefonanschluss mit Internetflatrate 2001 um die 99 Euro. Heute sind die günstigsten Kombiangebote für Internet- und Telefonflatrates schon für rund 30 Euro zu haben. Auch die Preise der Mobilfunkanbieter sinken, so seien im April Prepaid-Angebote teilweise auf unter zehn Cent pro Minute gefallen, sagt Sandra Müller von der Stiftung Warentest.

Der Preissturz bei Elektronik und Telekommunikation ist enorm, doch auch einige Nahrungsmittel sind deutlich billiger geworden. Neben den saisonalen Vergünstigungen von Obst und Gemüse sind die Preise für Speisefette und -öle, Paprika, Zwiebeln und Kartoffeln gesunken: Der Durchschnittspreis von Kartoffeln lag zuletzt bei 62 Cent je Kilogramm, gegenüber dem Vorjahr ist das ein Preisrückgang von rund 15 Prozent.

Einige Produkte sind zwar nicht günstiger, aber immerhin nicht wesentlich teurer geworden. So kann man nach Angaben der Preisberichtstelle der deutschen Landwirtschaft (ZMP) in diesem Jahr entspannt in die Grillsaison gehen. Wegen des Überangebots und des starken Wettbewerbs im Lebensmitteleinzelhandel sind die Schweinefleischpreise fast unverändert geblieben. Das sieht zumindest ZMP-Experte Matthias Kohlmüller so. Zwar hätten sich die Produktionskosten der Landwirte angesichts der gestiegenen Futtergetreidepreise stark erhöht, diese könnten allerdings nicht angemessen an die verarbeitenden Betriebe weitergegeben werden. Grillware kostet demnach in diesem Jahr ungefähr dasselbe wie 2007. So liegt etwa der Preis für ein Kilo Schweinenacken nach wie vor zwischen 4,50 Euro und fünf Euro.

In ihrem Konsumklimabericht kommt die Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung zuletzt zu dem Schluss, dass die Deutschen wieder in Kauflaune kommen. Hohe Tarifabschlüsse und sinkende Arbeitslosigkeit hätten die Verbraucher zuversichtlicher gemacht. Vielleicht trägt auch der Preisverfall einiger Produkte dazu bei. Tina-Marlu Kramhöller

0 Kommentare

Neuester Kommentar