Preissteigerung : Das Gas in Berlin wird teurer

Der Berliner Grundversorger Gasag hebt die Preise im Schnitt um sieben Prozent an. Die Kunden der Gasag sind unterschiedlich stark von dem Schritt betroffen.

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Blaugemacht. Gasag-Kunden konnten sich 2011 zurücklehnen, ihr Versorger hatte stabile Preise versprochen. Nun aber lohnt es sich, einen Wechsel zur prüfen.
Blaugemacht. Gasag-Kunden konnten sich 2011 zurücklehnen, ihr Versorger hatte stabile Preise versprochen. Nun aber lohnt es sich,...Foto: ddp

Es hatte sich in den vergangenen Wochen bereits angedeutet, nun ist es offiziell: Die Berliner Gasag wird ihre für 2011 abgegebene Preisgarantie im kommenden Jahr nicht verlängern. Der Grundversorger, der vier von fünf Gaskunden in der Hauptstadt beliefert, hebt seine Preise zum 1. Februar an. „Wir geben die Preiserhöhung unserer Lieferanten nur in dem Umfang weiter, der unvermeidlich ist“, teilte das Unternehmen am Montag schriftlich mit.

Die überwiegende Mehrheit der Privathaushalte in Berlin muss sich im kommenden Jahr auf höhere Energiekosten einstellen. Nachdem der marktführende Stromversorger Vattenfall bereits im November eine Strompreiserhöhung zum Januar von durchschnittlich sieben Prozent angekündigt hatte, hat nun auch der größte Gasversorger Gasag nachgezogen. Das Unternehmen beliefert rund 80 Prozent aller Gaskunden in der Hauptstadt.

Gasag-Kunden sind unterschiedlich stark von dem Schritt betroffen: Grundsätzlich steigt der Arbeitspreis pro Kilowattstunde (kWh) um 0,595 Cent brutto. Die monatlichen Grundpreise bleiben unverändert. Wegen unterschiedlicher Verträge sind Kochgaskunden aber weniger stark betroffen als Heizgaskunden. Ein Kunde, der zum Beispiel Gas mit einem Brennwert von 900 kWh im Jahr zum Kochen verbraucht, zahlt künftig 3,6 Prozent mehr. Das entspricht Mehrkosten von 45 Cent im Monat. Wer mit 9000 kWh eine Zwei- bis Dreizimmerwohnung beheizt, zahlt dagegen 7,7 Prozent mehr. Das wären 4,46 Euro zusätzlich. Ein klassisches Reihenhaus mit durchschnittlich 20 000 kWh Jahresverbrauch zahlt 8,7 Prozent Aufschlag, fast zehn Euro mehr.

Die Gasag empfiehlt ihren Kunden, die monatliche Abschlagszahlung entsprechend zu erhöhen. Für Kunden, die über das Lastschriftverfahren Abschläge von 50 Euro oder mehr zahlen, zieht der Versorger ab Februar automatisch sieben Prozent mehr ein.

Die Gasag begründet die Anhebung mit dem Markttrend. Seit der Niedrigpreiswelle im Zuge der Finanzkrise 2008 und 2009 seien die Preise im Schnitt um 25 Prozent gestiegen. Gashändler hätten im Oktober für Importgas 20 Prozent mehr zahlen müssen als im gleichen Vorjahresmonat. Rund 70 Prozent der Gasbezüge hat das Unternehmen durch langfristige Lieferverträge abgesichert, nur 30 Prozent kauft die Gasag kurzfristig auf dem freien Markt ein. Im Verhältnis mit anderen Gashändlern verfolgt das Unternehmen somit eine relativ konservative Einkaufsstrategie, die es der Gasag zwar ermöglicht, kurzfristige Preisanstiege abzufedern. Im Gegenzug dürften Gasag-Kunden nicht so schnell von fallenden Marktpreisen profitieren.

Was können Verbraucher nun tun? Leichter als der Umstieg auf Fernwärme oder Öl ist der Gasanbieterwechsel, den Kunden bequem über eines der einschlägigen Online-Verbraucherportale wie Toptarif oder Verivox prüfen können. „Zudem sollten Kunden die Erhöhung nur unter Vorbehalt zahlen“, empfiehlt Kurt Markert, Honorarprofessor an der FU Berlin. Er hatte lange Jahre die Energieabteilung beim Bundeskartellamt geleitet und bezweifelt, dass die Gasag die Preise überhaupt erhöhen darf. Der Jurist verweist auf ein Verfahren, das derzeit beim Europäischen Gerichtshof (EuGH) anhängig ist. Der Bundesgerichtshof hatte den EuGH angerufen, weil er Zweifel an der Wirksamkeit der Preiserhöhungsklausel in der Grundversorgungsverordnung hat, die für alle deutschen Energieversorger gilt. Darin fehlten nämlich Kriterien für die Voraussetzungen, den Zeitpunkt und den Umfang von Preiserhöhungen. Die EU-Kommission habe in ihrer Stellungnahme für den EuGH diese Zweifel geteilt, sagte Markert dem Tagesspiegel jetzt. Sollte der EuGH die Klausel für unwirksam halten, könnten Gaskunden ihr Geld zurückverlangen – aber nur, wenn sie der Erhöhung widersprochen und den höheren Betrag nur unter Vorbehalt gezahlt haben.

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