Wirtschaft : Preisverfall zwingt Telefongesellschaften zur Expansion in neue Kommunikationsbereiche

Corinna Visser

Was die Kunden freut, ist der Unternehmen Leid. Telefonieren ist so billig geworden, dass die Telefongesellschaften mittlerweile damit nicht mehr viel Geld verdienen können. Debitel hat bereits angekündigt, aus dem wenig lukrativen Geschäft mit Call-by-Call-Gesprächen auszusteigen. Andere Unternehmen könnten sich anschließen - zum Nachteil der Kunden. Denn die profitierten von der Möglichkeit des schnellen und unkomplizierten Wechsels der Anbieter. Dies hatte den Preiskampf unter den Unternehmen erst so richtig in Gang gebracht.

Weil mit einfachen Telefondiensten nicht mehr viel zu holen ist, müssen sich die Telefongesellschaften nach anderen Einnahmequellen umsehen. Mobilfunk, Datenverkehr, Internet und Multimedia heißen die Bereiche, die noch echtes Wachstum und Gewinne versprechen. Die Telekom hat es vorgemacht: Über 20 Mrd. DM hat sie für den britischen Mobilfunkbetreiber One-2-One ausgegeben. Jetzt plant sie, den Internet-Dienst T-Online und die Mobilfunktochter T-Mobil an die Börse zu bringen, um frisches Kapital für weitere Akquisitionen zu sammeln.

Auch Mobilcom will seine Internet-Aktivitäten an die Börse bringen. Mobilcom-Chef Gerhard Schmid sorgt sich um den Aktien-Kurs des Unternehmens. Seit Jahresbeginn hat sich der Wert der Papiere halbiert. Schmid glaubt, dass die Bewertung seines Unternehmens nicht mehr stimmt. Wert und Potenzial etwa der Internet-Suchmaschine Dino-Online fänden im Kurs der Mobilcom-Aktie nicht die angemessene Berücksichtigung. Um den Internetaktivitäten mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen, will er sie als eigene Aktiengesellschaft vermarkten - und Geld für die weitere Expansion einnehmen. Für Unternehmen, die den Sprung von der Telefongesellschaft zum umfassenden Kommunikationsdienstleister nicht schaffen, wird die Luft immer dünner.

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