Wirtschaft : Preiswert telefonieren: Bunte Bilder sagen mehr als 120 Buchstaben

Flora Wisdorff

"Bilder sagen oft mehr als 1000 Worte." Mit diesem Slogan wirbt Mobilcom für die nächste Generation der elektronischen Kurzbortschaften SMS. "MMS", Multimedia-Messaging-Service, heißt der neue Dienst, mit dem man Bilder, Musik und sogar Videos verschicken kann. MMS übermitteln Gefühle besser als die höchstens 120 Zeichen langen, schwarz-weißen SMS-Botschaften, heißt es beim finnischen Handy-Hersteller Nokia. "Per MMS wollen die Nutzer den persönlichen Kontakt intensivieren und den emotionalen Inhalt der Nachricht erhöhen", ergab eine Nokia-Studie. Im Sommer, so versprechen die Netzbetreiber, soll der multimediale Nachrichtendienst starten.

Da schon die nüchternen SMS so erfolgreich sind - weltweit werden jeden Monat 30 Milliarden Kurznachrichten verschickt - versprechen sich die Mobilfunkbetreiber von den multimedialen Nachrichten noch einen viel größeren Boom. Einer Analyse der Unternehmensberatung Frost & Sullivan zufolge ist die Hoffnung berechtigt: Im Jahr 2006 werde der Europamarkt für MMS-Dienste ein Volumen von 26,9 Milliarden Dollar erreichen. Für 2002 rechnet Frost & Sullivan bereits mit einem Umsatz von 68 Millionen Dollar.

Die ersten Mobiltelefone, die das Verschicken von Nachrichten mit Bildern und Tönen ermöglichen, sind schon auf dem Markt - allerdings für saftige Preise. Das T68i mit farbigem Bildschirm von Sony-Ericsson kostet rund 700 Euro - ohne Kamera. Für die aufsetzbare Digitalkamera muss der Kunde 199 Euro zusätzlich zahlen. Nokia steigt erst später ein: Zwischen April und Juni bringen die Finnen das Modell 7650 auf den Markt. Mit eingebauter Kamera wird es um die 550 Euro kosten. Die Netzbetreiber versprechen allerdings, die neuen Geräte zu subventionieren.

Ausschlaggebend für den Start des multimedialen Nachrichtendienstes ist neben den Geräten aber auch die Entwicklung der Netze. Auf dem GMS-Netz, über das die SMS derzeit verschickt werden, würde das Herunterladen einer MMS mit ihren großen Datenmengen ewig dauern. Während eine simple Textnachricht etwa 140 Byte lang ist, dürfte die Länge der ersten MMS-Nachrichten laut Ericsson im Schnitt rund 30 000 Byte betragen. Also soll MMS zunächst mit der schnelleren Technik GPRS laufen. Allerdings seien die Möglichkeiten auch hier noch begrenzt, sagt Eduardo Gonzalez, Analyst bei Frost & Sullivan in London. "Komplette Videos oder CDs kann man erst verschicken, wenn es UMTS gibt", sagt er. Fotos und kürzere Videoclips würden aber bereits einwandfrei auch auf GPRS funktionieren. Die Mobilfunkbranche sieht MMS jedenfalls als Test für die neue, multimediale Mobilfunkwelt, die mit UMTS erst richtig beginnen wird.

Der Erfolg der multimedialen Nachrichten wird auch von den Diensten abhängen, die die Betreiber anbieten. Vodafone zum Beispiel plant, auf dem Handy abrufbare Nachrichten mit Bildern und Tönen zu bereichern. Außerdem sollen Nutzer Filmtrailer und Pop-Songs verschicken können. Mit der eingebauten Kamera kann man sich natürlich auch seine eigenen Grußkarten basteln.

Über die Kosten halten sich die Betreiber noch bedeckt. Die norwegische Gesellschaft Telenor ist eine der wenigen, die ihren geplanten Preis bekannt gab: 1,30 Dollar pro MMS. Schon bis Ende 2002 rechnet Experte Gonzalez aber mit Gebühren, die höchstens dreimal höher sind als der heutige SMS-Tarif. Ein Massenmarkt mit entsprechenden Billig-Preisen für Geräte und Messages wird MMS jedoch frühestens 2005, prognostiziert Gonzalez.

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