Wirtschaft : Premiere bleibt am Ball

Bezahlsender setzt Kabelkonzern Unity bei Bundesliga-Übertragungsrechten unter Druck

Hans-Peter Siebenhaar

Düsseldorf - Der Bezahlsender Premiere gibt den Kampf um die Bundesliga nicht verloren. Um eine Sublizenz für die Live-Berichterstattung im Fernsehen zu erlangen, setzt Premiere-Chef Georg Kofler den neuen TV-Rechteinhaber Arena – eine Tochter des Kabelkonzerns Unity Media, zu dem Ish, Iesy und Tele Columbus gehören – unter Druck. „Unity kann sein geplantes Angebot bei einem Großteil der Premiere-Abonnenten ohne vertragliche Vereinbarung mit Premiere gar nicht frei schalten“, sagte Kofler dem Handelsblatt. Der Fernsehmanager will damit den Kabelkonzern zu einer Kooperation mit Premiere drängen. Auch für Unity, mehrheitlich im Besitz der Finanzinvestoren Apollo und BC Partners, wäre eine Partnerschaft attraktiv. Denn dann bräuchte der Netzbetreiber die Satellitenhaushalte nicht mit einem neuen Decoder auszurüsten.

Zum Empfang eines Pay-TV-Angebots wie die Live-Spiele der Fußball-Bundesliga braucht der Satellitenkunde ein Empfangsgerät (Set-Top-Box) mit einer Zugangskarte (Smartcard). Premiere hat über die Smartcard die Möglichkeit, den Zugang zu öffnen oder zu schließen. „Verschlüsselte Programme anderer Anbieter sind ohne eine Einigung mit Premiere über die Premiere-Smartcard nicht empfangbar“, bestätigte ein Sprecher des Satellitenbetreibers SES Astra. Derzeit hat der Münchener Bezahlsender rund 3,4 Millionen Abonnenten. „Premiere entscheidet, wer was sieht“, sagte ein Insider in Berlin.

Um die Exklusivität von Unity zu schwächen und um die Zukunft der Premiere-Sportbars zu sichern, will Kofler von der Deutschen Fußball-Liga (DFL) die noch zu vergebenden TV-Rechte in der Gastronomie kaufen. „Um die Rechte für den Sportbar- und Hotelbereich, die noch gar nicht ausgeschrieben sind, werden wir uns direkt bewerben“, kündigte Kofler am Wochenende an. Premiere betreibt deutschlandweit 13 000 Sportbars.

Bislang hatte Premiere exklusiv die Fußball-Bundesliga live gezeigt. Dann hatte kurz vor Weihnachten der Kabelkonzern Unity – mit mehr als sieben Millionen Haushalten – für rund 240 Millionen Euro überraschend die Fernsehrechte der Fußball-Bundesliga gekauft. Unity wird für ein Abonnement rund 20 Euro monatlich verlangen. Die Vermarktung übernimmt die in München ansässige Tochter Arena. Doch Unity hat ein Problem: Der Kabelkonzern mit Schwerpunkten in Nordrhein-Westfalen und in Hessen verfügt über kein bundesweites Netz.

Kofler will nun Arena zur Vergabe einer Sublizenz bewegen. Zuletzt hatte Arena-Chef Bernard de Roos dem Bezahlsender keine Hoffnung gemacht. „Wir haben die Rechte nicht übernommen, um sie dann gleich wieder an Premiere zurückzugeben", hatte de Roos, ein früherer Geschäftspartner des Medienunternehmers Herbert Kloiber, gesagt. Kofler zeigt sich allerdings von der Absage des Niederländers wenig beeindruckt. „Wir werden ab Januar Gespräche über mögliche Sublizenzierung führen“, sagte der Premiere-Chef.

Kofler kann hoffen. Denn die ablehnende Haltung des Arena-Chefs de Ross soll auch bei Unity für Irritationen gesorgt haben, heißt es in Branchenkreisen. Unity-Chef Parm Sandhu schweigt bisher zu einer Kooperation mit Premiere. Der Ex-Finanzmanager des Medienkonzerns Liberty Media von John Malone hatte 2005 den Chefsessel bei Unity übernommen. HB

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