Wirtschaft : Premiere drückt Einkaufspreise für Filme und Sport

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München (jojo/HB). Der Strahlemann des deutschen Fernsehens bleibt seiner optimistischen Haltung treu: Georg Kofler sieht den angeschlagenen Pay-TV-Kanal Premiere auf bestem Weg in die schwarzen Zahlen. „Wir haben die Ziele des Sanierungsplans deutlich übertroffen“, sagte sich der Premiere-Chef am Donnerstag in München.

Mit den Erfolgen der vergangenen Monate im Rücken erhofft sich der frühere Pro7-Chef eine bessere Ausgangslage bei der Investorensuche. Im Herbst will Kofler die neuen Eigentümer des hoch defizitären Senders präsentieren. Er sei optimistisch, dass Premiere einen Investor finden werde, sagte am Donnerstag der Chef der Hypo-Vereinsbank , Albrecht Schmidt, auch wenn die Lage schwieriger sei als bei der Schwestergesellschaft Kirch Media.

Dem gebürtigen Südtiroler Kofler ist es gelungen, die Kosten in Deutschlands einzigem Bezahlfernseh-Sender in den vergangenen drei Monaten deutlich zu drücken. Mit einem Verlust von rund 90 Millionen Euro vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen hat Premiere zwischen April und Juni nur noch rund eine Millionen Euro Verlust pro Tag gemacht. Im selben Zeitraum des letzten Jahres waren es noch mehr als drei Millionen Euro täglich, die der damalige Eigentümer Leo Kirch zuschießen musste.

Inzwischen sind allerdings sämtliche Ober-Gesellschaften des Münchener Medienunternehmers pleite. Die Premiere-Holding Kirch Pay ist ebenfalls insolvent. Premiere steht deshalb auf eigenen Beinen und braucht so schnell wie möglich neue Investoren, die immer noch an den Erfolg des Bezahlfernsehens in Deutschland glauben und den Geschäftsbetrieb weiterführen. Mit einem Überbrückungskredit von 100 Millionen Euro halten die größten Gläubiger, die Bayerische Landesbank und die Hypo-Vereinsbank, Premiere derzeit am Leben. Als Sicherheit für ihre Kredite an Kirch Pay-TV haben die Banken die Anteile an Premiere. Sollten sich keine Investoren finden, müssten die Institute ihre Kredite in Eigenkapital umwandeln und selbst bei Premiere einsteigen. Dies gilt aber nur als die allerletzte Lösung. Deshalb läuft die Investorensuche auf Hochtouren. Anfang August will die Investmentbank Morgan Stanley die Verkaufsprospekte verschicken.

Die neuen Premiere-Eigentümer müssen trotz des Sparkurses von Kofler einen langen Atem haben. Vor Ende 2004 sei kein Jahresüberschuss zu erwarten, gestand Kofler. Der Manager hat seit seinem Amtsantritt im Februar keinen Stein auf dem anderen gelassen. Sein größter Erfolg: In Verhandlungen mit den großen amerikanischen Filmstudios hat er die Einkaufspreise für neue Streifen massiv gesenkt. Kofler selbst sprach von Einsparungen von bis zu 80 Prozent. Analysten hatten in der Vergangenheit immer wieder kritisiert, dass Premiere im Mutterhaus Kirch viel zu hohe Preise für Filmrechte zahlen musste.

Darüber hinaus hat Kofler die Preise für die Fußball-Bundesliga und die Fußball-Champions-League stark gedrückt. Auch die Formel Eins werde er günstiger erwerben, kündigte Kofler an. Alles in allem gibt Premiere statt einer Milliarden Euro im Jahr für das Programm nun nur noch die Hälfte aus. Am meisten gelitten haben freilich die Mitarbeiter, die zur Sanierung Entlassungen hinnehmen mussten: Von 2400 Beschäftigten mussten 1000 gehen.

Ein Problem bleibt allerdings: Die Zahl der Abonnenten ist seit Monaten mit 2,4 Millionen nahezu unverändert. Um Gewinne zu erreichen, braucht der Sender nach eigenen Angaben knapp drei Millionen zahlende Zuschauer. Angesichts der im Vergleich mit anderen Ländern großen Zahl frei empfangbarer TV-Programme in Deutschland zweifeln viele Medien-Experten, dass Premiere je ein wirtschaftlicher Erfolg wird.

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