Wirtschaft : Premiere im Abseits

Für die meisten Kunden gibt’s keine Bundesliga live

Corinna Visser

Berlin - Die gute Nachricht für manche Fußballfans ist eine schlechte Nachricht für Premiere. Nachdem sich die Deutsche Fußballliga (DFL) und die Telekom jetzt über die Nutzung der Internetrechte an der Fußballbundesliga geeinigt haben, ist der Münchner Abosender weitgehend raus aus dem Spiel. Zwar haben Premiere und die Telekom am 19. Mai eine Partnerschaft geschlossen. Beide Unternehmen wollen die Bundesliga live über das Internet auf dem neuen Hochgeschwindigkeitsnetz der Telekom zeigen. Doch nur ein kleiner Bruchteil der heutigen Premiere-Kunden wird die Bundesliga über die neue Technik empfangen können –, denn das neue Netz befindet sich noch im Aufbau, bisher sind null Kunden daran angeschlossen. Über Kabel oder Satellit wird Premiere dagegen seinen Kunden keine Bundesliga live bieten können.

Die Börse reagierte deutlich auf die Nachricht: Der Kurs der Premiere-Aktie brach zeitweise um mehr als sechs Prozent ein. Bis zum Börsenschluss erholte er sich jedoch. Das Papier notierte noch 1,25 Prozent im Minus bei 9,47 Euro.

Einige Analysten hielten die Reaktion jedoch für übertrieben: „Ob dieser starke Kurseinbruch gerechtfertigt ist, muss sich erst zeigen“, sagte Michael Schatzschneider von der Commerzbank.Ein anderer Analyst verwies darauf, dass Premiere auch andere attraktive Inhalte habe wie etwa die Champions League und die Formel 1. „Mit Bundesliga wäre das Angebot natürlich deutlich attraktiver.“ Er rechnet mit einem deutlichen Rückgang der Abonnentenzahlen in der zweiten Jahreshälfte. Schatzschneider von der Commerzbank macht folgende Rechnung auf: Von den rund 3,5 Millionen Kunden haben etwa 450 000 das reine Sportpaket abonniert. Da das Paket nicht nur die Bundesliga enthalte, hält er den Verlust von 450 000 Abonnenten für das schlimmste mögliche Szenario. Premiere müsse nun mit einer neuen Abostruktur und mit einem neuen Preisgefüge auf die Situation reagieren. Genau das tat Premiere-Chef Georg Kofler am Mittwoch. „Noch im Juni wird Premiere für seine Kabel- und Satellitenprogramme eine neue Preis- und Angebotsstruktur präsentieren“, sagte er. Bisher kostet ein Abo – je nach Leistungsumfang – zwischen fünf und 45 Euro im Monat. Dem stehen hohe Kosten gegenüber: Investitionen in die neue Internettechnik, die entsprechenden Decoder und auch in das Marketing. Denn nun muss Premiere ohne Bundesliga verkauft werden.

Kofler, der bei der Auktion der Bundesliga-Übertragungsrechte zu hoch gepokert und verloren hatte, ist nach Meinung der Analysten nicht akut in Gefahr, seinen Posten zu verlieren: Er ist mit knapp 14 Prozent der Anteile der größte Einzelaktionär von Premiere. Kofler zeigte sich erneut optimistisch: „Wir freuen uns, dass unser neuer Partner Deutsche Telekom künftig auch der Premiumpartner der Fußballbundesliga sein wird.“ Das werde helfen, die Bekanntheit des gemeinsamen Bundesligaangebots über das Internet zu steigern. Auch für die 13 000 Sportsbars in der Republik kündigte er ein „neues, attraktives Preismodell“ an. Champions League, Formel 1, Eishockey und Basketball gibt’s ja noch zu sehen.

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