Wirtschaft : Premiere im Abseits

Kartellamt prüft Zusammenarbeit mit Arena. Abosender stoppt Vermarktung der Bundesliga via Satellit

Corinna Visser

Berlin - Premiere hat seinen Aktionären erneut einen Schock versetzt – ebenso wie den Fans der Fußball-Bundesliga. Der Münchner Abosender stoppte am Mittwoch die Vermarktung des Bundesliga- Angebots der Sportrechtefirma Arena über Satellit. Denn das Bundeskartellamt hat Bedenken gegen die Kooperation der beiden Konkurrenten. „Die Prüfung durch das Kartellamt ist langwieriger und umfassender als erwartet“, sagte Premiere-Chef Georg Kofler.

Die Börse reagierte am Mittwoch mit einem kräftigen Abschlag auf die Nachricht: Die Premiere-Aktie verlor in der Spitze knapp zehn Prozent. Bis Handelsschluss gingen die Verluste auf sechs Prozent zurück, das Papier war noch 16,18 Euro wert. Allerdings bewegte es sich damit wieder auf dem Niveau vom Montag. In der Zwischenzeit hatte eine Kaufempfehlung von Analysten der Deutschen Bank die Premiere-Aktie kurzfristig auf 17,55 Euro steigen lassen.

Mit dem Vermarktungsstopp geht das Verwirrspiel um die Live-Übertragung der Bundesliga in eine neue Runde. Bei der letzten Versteigerung der Übertragungsrechte im Dezember 2005 hatte Premiere-Chef Kofler zu hoch gepokert und die für sein Unternehmen so wichtigen Bundesligarechte verloren. Denn Fußball gilt als ein Inhalt, für den Fernsehzuschauer bereit sind, Geld zu bezahlen. Im Jahr 2006 hatte der Verlust der Rechte zu einem Gewinneinbruch bei Premiere geführt. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) schrumpfte von 138 Millionen auf 48 Millionen Euro bei einem Umsatz von einer Milliarde Euro.

Die Vermarktungsfirma Arena sicherte sich zwar die Bundesliga-Live-Rechte für drei Jahre, hatte aber eine schlechte Ausgangsposition, da die Tochter der Kabelgesellschaft Unity Media keine Kunden hatte. Im Sommer 2006 vereinbarten Premiere und Arena die erste Kooperation im Kabelnetz. Das Kartellamt hatte keine Bedenken. Premiere strahlt im Kabel das Programm von Arena aus und vermarktet es auch. Im Februar diesen Jahres beschlossen beide auch eine Kooperation in der Übertragung via Satellit. Am Tag der Bekanntgabe stieg die Premiere-Aktie um 19 Prozent auf 18,03 Euro.

Dass sich bei diesem Geschäft aber die Arena-Mutter Unity Media im Gegenzug an Premiere beteiligt, hat den Argwohn des Kartellamts geweckt. Die Behörde will das Vorhaben gründlich prüfen. Bis Ende Mai sollen die Unternehmen Vorschläge für eine kartellrechtlich verträgliche Lösung machen.

Analysten der WestLB sehen Premiere nun in der gleichen Position wie vor der Kooperation mit Arena. Das Potenzial, neue Kunden zu gewinnen, sei begrenzt. Der Sender bleibe Ziel von Übernahmespekulationen. Da es in der laufenden Saison nur noch fünf Spieltage gibt, hält Premiere selbst die materielle Bedeutung des Verkaufsstopps für begrenzt. „Es gibt zwei Vermarktungsspitzen, einmal zum Saisonstart und dann nach der Winterpause“, sagte ein Premiere-Sprecher dem Tagesspiegel. Es gebe daher aktuell keinen Grund, die Gewinnprognose zu ändern. Die hatte Premiere bei Bekanntgabe des Geschäfts angehoben: auf ein Ebitda zwischen 120 und 140 Millionen Euro.

Ende 2006 hatte Premiere 3,4 Millionen Kunden, etwa zur Hälfte verteilt auf Kabel und Satellit. 400 000 haben nach Angaben des Sprechers Bundesliga via Kabel gebucht. 80 000 Kunden habe man seit Februar im Satelliten gewonnen. Die neuesten Zahlen präsentiert Premiere am 10. Mai mit den Quartalszahlen.

Ohnehin werden im Bundesliga-Poker die Karten bald neu gemischt, denn Ende des Jahres wird die Deutsche Fußballliga die Rechte neu vergeben. „Es ist so sicher wie das Amen in der Kirche, dass wir uns bewerben werden“, sagte der Premiere- Sprecher. „Wir werden natürlich gegen Arena antreten.“

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