Wirtschaft : Premiere kann wieder hoffen

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München (cbu/HB). Für den angeschlagenen Bezahl-Fernsehsender Premiere deutet sich eine Rettung an. Mehrere Banken prüfen ernsthaft eine Finanzspritze, mit der die Existenz von Premiere bis Jahresende gesichert ist. Das zeichnete sich auf einer Krisensitzung über die Zukunft des zur Kirch-Gruppe gehörenden Senders ab. Auf der Sitzung am Montag präsentierte Premiere-Chef Georg Kofler den Bankenvertretern von Bayerischer Landesbank, der österreichischen Bawag und der Hypo-Vereinsbank (HVB) das neue Konzept. Es sieht drastische Einsparungen vor. Unter anderem sollen 1000 der 2400 Arbeitsplätze bis Jahresende wegfallen. Kofler hat offenbar gute Arbeit geleistet: „Ich hatte den Eindruck, dass sich die Banken mit dem Konzept anfreunden können“, sagte der vorläufige Insolvenzverwalter der Muttergesellschaft Kirch Pay TV, Joseph Füchsl, dem Handelsblatt. Einzelheiten wollte er nicht nennen. Auch aus Bankenkreisen war Zustimmung zu hören. „Kofler macht einen guten Job. Ein tragfähiges Konzept unterstützen wir“, hieß es in den Kreisen. Premiere brauche bis zum Erreichen der Gewinnschwelle weniger Kapital als bisher vermutet.

Die Unterstützung der Banken gilt als wahrscheinlich, eine endgültige Entscheidung wird aber erst für nächste Woche erwartet. Bei der Bayern LB ist dazu ein Vorstandsbeschluss notwendig, bei der HVB dagegen nicht. Die Kreditinstitute müssen nach früheren Angaben von Füchsl eine Finanzspritze von „100 Millionen Euro plus x“ geben, um das Überleben von Premiere bis Ende 2002 zu sichern.

Premiere ist mit rund 750 Millionen Euro verschuldet, etwa 500 Millionen Euro entfallen auf die Bayern LB und ihre Österreich-Tochter Bawag, der Rest auf die HVB. Ob die Banken einen Forderungsverzicht leisten müssen, ist offen. Dagegen ist nach Informationen aus Verhandlungskreisen der Vorschlag vom Tisch, nach dem Banken als Anteilseigner bei Premiere einsteigen. Die Zwischenfinanzierung soll lediglich das Überleben von Premiere sichern. Von Oktober an soll die Investorensuche aufgenommen werden. Dazu werde eine Investmentbank eingeschaltet. Als Interessenten gelten neben dem zu Rupert Murdoch gehörenden britischen Bezahlfernsehen BSkyB auch Bertelsmann sowie die Hollywood-Studios.

Premiere steht derzeit mit dem Rücken zur Wand, da die Liquidität nach Brancheninformationen nur noch für kurze Zeit reicht. Die Muttergesellschaft Kirch Pay TV hatte Anfang Mai einen Insolvenzantrag gestellt.

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