Wirtschaft : Premiere rutscht tief ins Minus

Trotz des Verlusts der Bundesligarechte will der Fernsehsender verlorene Abonnenten zurückgewinnen

Ulrike Simon

Berlin – Das Abonnementfernsehen Premiere steckt nach Abschluss des ersten Halbjahres 2006 erneut im Minus. Der Verlust stieg im zweiten Quartal auf minus 139 Millionen Euro. Mehrere Faktoren drückten das Ergebnis: Zusatzkosten für die Lizenz und Produktion der Fußballweltmeisterschaft (35 Millionen), der Verlust der Live-Übertragungsrechte an der Bundesliga, die dadurch entstandene Verunsicherung der Abonnenten sowie Sondereffekte in Höhe von gut 90 Millionen Euro.

Mit einer Prognose für das laufende Geschäftsjahr hält sich Vorstandschef Georg Kofler zurück. Er verweist auf die zahlreichen Unwägbarkeiten und vertröstet auf November. Es erscheint jedoch fraglich, ob es Premiere bis Jahresende schaffen wird, unterm Strich schwarze Zahlen zu schreiben. So wie 2005, als Premiere mit 49 Millionen Euro zum ersten Mal in seiner Geschichte überhaupt Gewinne erzielt hat.

Zweifel an der Zukunftsfähigkeit des Unternehmens kommen bei Analysten auf, weil Premiere im zweiten Quartal Steuern auf Verlustvorträge komplett abgeschrieben hat. Kofler weist die Zweifel zurück. Dank der Abschreibung habe Premiere Zukunftsrisiken ausgeräumt und hätte so die Chance, bei positivem Geschäftsverlauf das Ergebnis zu verbessern.

Kofler bezeichnet Premiere als gut aufgestellt für das zweite Halbjahr. So beträgt das Ergebnis (Ebitda) zwar minus 21,8 Millionen. Der Gesamtumsatz stieg vor allem dank höherer Werbeeinnahmen jedoch um vier Prozent auf 270 Millionen Euro.

Der Rückgang der Abonnentenzahl um 79 000 im Vergleich zum Vorquartal sei angesichts der imageschädigenden Debatte um den Verlust der Bundesligarechte an den neuen Pay-TV-Anbieter Arena aber „ausgesprochen moderat“, meinte Kofler. Er zeigte sich überzeugt, einen Teil der Abo-Kündiger im dritten Quartal zurückzugewinnen. Dazu sollen das Anfang August eingeführte Preis- und Angebotsmodell beitragen, aber auch die neu erworbenen Rechte an der Übertragung der Champions League und der Spiele sieben europäischer Ligen. Einen Strich durch die Rechnung machte Arena allerdings und sicherte sich am Dienstag für drei Jahre die Rechte auf Spaniens erste Liga.

Wenn an diesem Wochenende die Bundesliga-Saison angepfiffen wird, gibt es zwei Möglichkeiten, bei Premiere die Spiele zu schauen: als Abonnent von Arena über die Plattform Premiere – dies ist in 14 Kabelregionen mit Ausnahme von Nordrhein-Westfalen und Hessen möglich; oder über das bislang kaum verbreitete Hochgeschwindigkeitsnetz der Deutschen Telekom. Hier rechnet Kofler mit einem Potenzial von bis zu 600 000 Abonnenten, die künftig Bundesliga auf Premiere „powered by T-Com“ schauen.

Der Rechteverlust an Arena führe dazu, dass „Premiere noch nie so wenige Risiken mit der Bundesliga eingegangen ist“, scherzte Kofler. Für das dritte Quartal bedeute das eine deutlich niedrigere Kostenstruktur: „Das erleichtert unser Marschgepäck erheblich.“ Die Rede ist von rund 200 Millionen Euro, die Premiere spart und die nun vom neuen Konkurrenten Arena zu verkraften sind. Über dessen Chef Dejan Jocic sagte Kofler am Dienstag, er sei „ein junger Mann“, dem er manche Äußerung verzeihe. Er bezog sich damit auf Jocics Aussage, die Arena-Muttergesellschaft Unity habe schon deshalb kein Interesse am Übernahmekandidat Premiere, weil sie nur an zukunftsorientierten Investments interessiert sei. Kofler weist den Angriff zurück. Er bleibt dabei: „Es gibt eine klare Perspektive in Sachen Profitabilität für Premiere.“

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