Wirtschaft : Premiere will auch ohne Bundesliga wachsen

Abo-Fernsehsender macht 2005 erstmals Gewinn / Vorstandschef Kofler verspricht neue Sportproduktionen

Ulrike Simon

Berlin – Das Abofernsehen Premiere hat 2005 erstmals in seiner Geschichte ein positives Ergebnis erzielt. Nach einem Verlust von 80,6 Millionen Euro im Vorjahr erzielte Premiere 2005 einen Gewinn von 48,7 Millionen Euro. Das entspricht einer Verbesserung um 129,3 Millionen Euro. Vorstandschef Georg Kofler, der nach dem Verlust der exklusiven Übertragungsrechte für die Fußball-Bundesliga ab der nächsten Spielzeit nach Alternativen sucht, wagt für das laufende Jahr allerdings keine Prognose.

Analysten hatten ein etwas besseres Ergebnis und einen konkreten Ausblick erwartet. Stefan Weiss von der WestLB sagte, erst das erste Quartal 2006 werde zeigen, wie abhängig Premiere von der Bundesliga sei. Christian Schindler von der Landesbank Rheinland-Pfalz erwartet einen Abonnenten-Rückgang um 20 Prozent. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Abonnenten noch um fast 320 000 auf 3,57 Millionen. Auch die Börsianer zeigten sich enttäuscht. Bis zum späten Dienstagnachmittag sank der Aktienkurs um rund ein Prozent auf 13,94 Euro.

Seit dem Börsengang vor einem Jahr hat sich der Kurs von Premiere halbiert. Schuld an der Misere ist der 21. Dezember 2005: An diesem Tag gingen die Rechte an der Fußball-Bundesliga, dem bisherigen Zugpferd von Premiere, an die zum Kabelnetzkonzern Unity Media gehörende Arena und an die Deutsche Telekom. Kofler bemühte sich am Dienstag, den Rechteverlust nicht als Niederlage darzustellen. Noch nie sei ein Unternehmen untergegangen, wenn es bei schlechten Deals nicht zum Zuge gekommen sei, meinte er: Ohne die Bundesliga müsste Premiere vielleicht „kleinere, aber dafür profitablere Brötchen backen“. Zudem, fügte Kofler hinzu, sei „die Situation offen“. Mit beiden Rechteinhabern befinde sich Premiere „in laufenden Gesprächen. Entscheidungen sind keine getroffen, doch wir machen Fortschritte“. Ergebnisse seien „in den kommenden Wochen“ zu erwarten.

Kofler spekuliert darauf, Sublizenzen zu erwerben beziehungsweise Erlöse zu generieren, indem Arena Premiere zweistellige Millionenbeträge für die Nutzung der Infrastruktur zahlt. Die Telekom als Inhaber der Internet-Rechte bestätigte Gespräche mit Premiere über die Lieferung möglicher Programminhalte. Arena hingegen dementierte: Nicht mit Premiere, sondern mit Partnern wie Kabel Deutschland und Astra würde verhandelt.

Zur Unsicherheit über die Zukunft von Premiere ohne die Bundesliga-Rechte kommen Spekulationen über eine mögliche Übernahme. US-Medienunternehmer Haim Saban, der mit Partnern zunächst weiterhin die Mehrheit an Pro Sieben Sat 1 halten will, wird Interesse am Bezahlsender Premiere nachgesagt. Indem Saban frei empfangbares und Abofernsehen unter einem Dach integrieren würde, könnte er im nächsten Verhandlungspoker einen höheren Kaufpreis für den Fernsehkonzern erzielen. Kofler sagte dazu, es gebe derzeit weder „konkrete Gespräche“ noch „eine Indikation für einen Übernahmeversuch“.

Der 48-jährige Kofler, der lange beim Medienunternehmer Leo Kirch arbeitete, Pro 7 aus der Taufe hob und nach Kirchs Insolvenz Premiere vor dem Untergang rettete, übte sich in Zuversicht: „Insgesamt ist Premiere für den künftigen Wettbewerb im Fernsehmarkt solide und flexibel positioniert.“ Die Schuldenlast wurde von 370 auf 106 Millionen Euro abgetragen. Spekulationen um einen Schwund des Abonnentenstammes weist er zurück.

Neben neuen, exklusiven Programmen versprach Kofler „neue Sportproduktionen“. Hoffnung setzt er in die nachträglich gekauften Rechte für europäische Fußballligen und in die Champions League. Hier hat sich Premiere entschieden, in den kommenden drei Jahren mit dem frei empfangbaren Spartensender DSF zu kooperieren. Diese Partnerschaft berge weniger Risiken als der Aufbau eines eigenen Free-TV-Senders, befand Kofler, der selbst Anteile an Premiere hält. Und falls Premiere bei der Bundesliga doch leer ausgehen sollte? Dann „werden wir die Geschäftspläne und die Preise anpassen“, sagte Kofler.

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