Wirtschaft : Preussag möchte Hapag-Touristik-Union an die Börse bringen

HANNOVER .Die Preussag AG will nach dem radikalen Konzernumbau expandieren.Sowohl die neue Touristiksparte als auch andere Bereiche des Konzerns sollen über Beteiligungen und Firmenzukäufe wachsen.Wie Preussag-Vorstandsvorsitzender Michael Frenzel erklärte, will Preussag mit der Hapag-Touristik-Union (HTU), in der die neuen Konzerntöchter Hapag-Lloyd und TUI zusammengefaßt sind, in absehbarer Zeit an die Börse gehen.

Zum abgelaufenen Geschäftsjahr 1997/98 (30.September) wollte Frenzel noch keine Zahlen nennen.Bereits nach neun Monaten hatte sich abgezeichnet, daß Preussag erstmals mehr als 1 Mrd.DM Vorsteuergewinn erwirtschaften werde.Die Gewinnsteigerung sei vor allem Hapag-Lloyd und TUI zu verdanken, sagte Frenzel.Aber bis auf den erneut mit 200 Mill.DM defizitären Anlagenbau (Noell-Gruppe) hätten auch alle anderen Sparten des Konzerns zugelegt.

Der von politischen Debatten begleitete Verkauf von Preussag Stahl sei für den Umbau des Konzerns unabdingbar gewesen.Frenzel: "Die Märkte hätten uns das sonst nicht abgenommen." Neuer Schwerpunkt ist der Tourismus."Der Tourismusmarkt wird weiter wachsen, wenn auch nicht mehr zweistellig", sagte Frenzel.Die HTU - bereits mit Abstand größter Reisekonzern in Europa - soll ihre Marktanteile weiter erhöhen.Preussag hat bereits Interesse an einem Zusammenschluß mit der britischen Reise- und Finanzgruppe Thomas Cook bekundet.Neben England seien auch andere europäische Länder, in denen die TUI bisher keine Reisen verkauft, wie etwa Frankreich und Italien, interessant.

Das Zusammenwachsen von Hapag-Lloyd und TUI in der Holding HTU mit dem Ziel, die Kapazitäten sowohl bei der Fluggesellschaft als auch beim Reiseveranstalter optimal auszunutzen, habe "Priorität Nummer eins".Mit dem Kauf von Hapag-Lloyd und deren Übernahme der Mehrheit beim Reiseveranstalter TUI hat Preussag seinen Umsatz um 10 Mrd.DM auf rund 33 Mrd.DM und die Zahl der Beschäftigten um 15 000 auf 61 000 gesteigert.

Die HTU soll nach einer Bewährungsphase von etwa zwei Jahren an die Börse gehen."Der Börsengang ist eine logische Konsequenz, sofern sich natürlich der Aktienmarkt erholt." Dies bringe auch zusätzliche Finanzmittel für Investitionen.Es spielt für Frenzel keine Rolle, daß HTU keine bekannte Marke sei."Mit Hapag-Lloyd und TUI und deren Produkten bringt die HTU genug Börsenphantasie." Die strategische Mehrheit bleibt aber im Konzern."Wir gehen nicht unter 50 Prozent." Eine klare Absage erteilte Frenzel wiederholten Spekulationen über eine Zerschlagung von Hapag-Lloyd.Neben dem Tourismus bleibe die Linienschiffahrt erhalten."Wir stehen zur Schiffahrt.Wir haben uns das genau angesehen.Die Schiffahrt verdient Geld und hat Wachstumspläne", sagte Frenzel.Meldungen wie zuletzt in der "Wirtschaftswoche" über Verkaufsgespräche seien "an den Haaren herbeigezogen.Da hat jemand phantasiert."

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